Gloson – The Rift

| 18. März 2022 | 0 Comments
Gloson

(c) Ulf Blomberg & Ogino Design

Das Streben nach Heavyness in Reinkultur treibt Gloson seit jeher an. Vor mittlerweile zehn Jahren gegründet, präsentierten die Schweden bislang zwei EPs und ein Album, jeweils bis obenhin mit Sludge und Post Metal gefüllt – brachial, druckvoll und doch von einer gewissen, schwer in Worte zu fassenden Schönheit begleitet. Entsprechend geht es auch auf ihrer neuen Platte weiter. In „The Rift“ steckt jede Menge Schweiß und Herzblut, so die Nordlichter. Genau das ist zu hören.

Den Anfang macht jedoch das Ende, denn da lauert mit „Ultraviolet“ der längste und stärkste Song der ganzen Platte. Über gut 13 ellenlange Minuten bemühen Gloson behäbige Aufbauten und grandiose Auflösungen. Das minutenlange Verharren in Beinahe-Stasis kommt gut, ebenso die Explosivität im Kleinen, die danach folgt. Natürlich bleibt das Tempo gedrungen, nimmt die Intensität immer weiter zu. Wenn schließlich die schmerzerfüllten Schreie dem herzerweichenden Klargesang weichen, geht die sprichwörtliche Sonne auf, obwohl rundherum weiterhin die absolute Apokalypse mit eiserner Faust regiert. Es braucht nur den kleinsten Schimmer Hoffnung, um durch Mark und Bein zu fahren.

Im Vergleich dazu ist „Windbearer“ fast schon radiofreundlich, aber auch nur anhand der Spielzeit. Ein deutlicherer Fokus auf Sludge-Urgewalt überrascht und funktioniert zugleich grandios. Wenn sich nach zwei Minuten wütende Schreie aus dem Dickicht heben und pure Verzweiflung mit der Düsternis bratender Riffwände kollideren lassen, stockt der Atem. Gloson bohren sich weiter und weiter in dieses eigentümliche Motiv hinein, sämtliche Sinne kapitulieren. Im Anschluss deutet „Impetus“ so etwas wie Tempo-Verschärfung an, zumindest für ein paar Sekunden. Abermals jagen die Schweden becircenden Klargesang durch den Äther und sorgen damit für Hochgefühle im desolaten Chaos.

58 Minuten Wahnsinn bis zum Anschlag: Gloson nehmen keine Gefangenen und zeigen sich im Vergleich zu „Grimen“ deutlich vielschichtiger. Der Fokus liegt weiterhin auf Sludge mit Doom-Anteilen, doch wissen gerade die Post-Metal-Anteile mehr denn je zu unterhalten, zu begeistern, zu faszinieren. Wiederholte klare Auflösungen inmitten emotionalen Karglandes gehen unter die Haut und bringen die Gefühlswelt mit wachsender Begeisterung durcheinander. Zwar bleibt nach wie vor das Gefühl vorhanden, dass noch mehr ginge, doch ist „The Rift“ ein spannender, ein richtiger Schritt nach vorne für die Nordlichter.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 18.03.2022
Erhältlich über: Indie Recordings (Soulfood Music)

Website: www.gloson-official.com
Facebook: www.facebook.com/glosonofficial

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Category: Magazin, Reviews

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