To Kill Achilles – Something To Remember Me By

| 4. Februar 2021 | 0 Comments
To Kill Achilles

(c) Arising Empire

Das Mental-Health-Thema war selten wichtiger als heute, von der Isolation und Ungewissheit einer globalen Pandemie erst recht intensiviert. To Kill Achilles aus Dundee in Schottland bemühen sich um Sensibilisierung und beschreiten dafür beklemmende Pfade. Ihr zweites Album „Something To Remember Me By“ beleuchtet ein Jahr im Leben eines Mannes, der sich nach einer Reihe an Ereignissen das Leben nimmt. Jeder Track beleuchtet ein Monat, ergänzt durch zwei Momente der Selbstreflexion.

Jede Geschichte stammt aus dem Leben der fünf Musiker und soll zeigen, wie schnell sich die Spirale drehen kann, wie unbemerkt selbst die Stärksten zerbrechen können. To Kill Achilles kleiden ihre drastischen Worte in einen häufig peitschenden Mix aus Metalcore und Post-Hardcore, der in vielerlei Hinsicht unter die Haut geht. „fourpercent“ eröffnet die Platte mit einer waschechten Dampfwalze – schroff, ruppig, direkt und von bärbeißiger Härte getragen. Die Schotten verzichten weitestgehend auf Melodie und setzen die Segel in Richtung Abgrund. Wie „In Vain“ aufkeimende Hoffnung zerstört und eingängige Momente mit kehligen Shouts torpediert, wühlt auf. Der Pit bebt auf wütende Weise.

Reduzierte, besonders emotionale Post-Hardcore-Exkurse torpedieren den Gefühlshaushalt – siehe und höre vor allem „We Only Exist When We Exist Together“. Einen ähnlichen Stil greift der Titeltrack zum Abschluss auf, der Abschiedsbrief des Protagonisten. Dessen finale Momente werden zuvor im bratenden, hoffnungslosen „Beautiful Mourning“ beschrieben. Hier breitet sich ein schwerfälliger, trauriger doppelter Boden aus, der stets mitschwingt und mehrmals mit Anlauf in den Magen schlägt. Dagegen wirken die melancholischen Wuchtbrummen „When You Live With Ghosts, You Don’t See The Dead“ und „Venom“ beinahe schon wie Auflockerung.

Trigger Warning vorangestellt: „Something To Remember Me By“ ist ganz schwere Kost und vielleicht gerade deswegen großartig. Schonungslos zeigen To Kill Achilles Abgründe auf, liefern ermattende Erkenntnisse und regen zum Nachdenken an. Sie selbst, so die fünf Musiker, hätten glücklicherweise ein tolles Support Network gehabt, was freilich nicht für alle gilt. In beißende, bellende und beklemmende Core-Großtaten gekleidet, ist dieses druckvolle, erschütternde Werk ein packendes Statement, das nicht so schnell loslässt, wohl schon jetzt eines der wichtigsten Alben des Jahres.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.02.2021
Erhältlich über: Arising Empire (Edel)

Website: www.tokillachilles.com
Facebook: www.facebook.com/tokillachilles

Slider-Pic (c) Arising Empire

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Category: Magazin, Reviews

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