Angelus Apatrida – Angelus Apatrida

| 5. Februar 2021 | 0 Comments
Angelus Apatrida

(c) Fer Morales

So etwas hört man aktuell häufig: Angelus Apatrida hatten sich die letzten Monate anders vorgestellt. Eigentlich wollten die spanischen Thrash-Veteranen ihr 20jähriges Jubiläum vorbereiten und mit einer neuen EP begehen. Sämtliche Live-Pläne wurden freilich über den Haufen geworfen, dafür machte die Isolation kreativ und brachte gleich ein komplettes Album hervor. Erstmals in der langen Karriere mit einem neuen Tuning experimentierend und textlich wütender denn je, entpuppt sich die schlicht „Angelus Apatrida“ betitelte Platte als Volltreffer.

Spaniens 2020 als durchwachsen zu bezeichnen, wäre wohl eine dezente Untertreibung. Neben besonders heftigen Auswirkungen der Pandemie gingen politisch die Wogen hoch. Guillermo Izquierdos Wut auf Inkompetenz und Nazis im Parlament sowie auf der Straße wirkt sich direkt auf die Texte aus – ein Titel wie „The Age Of Disinformation“ spricht Bände. Diese furiose Energie schlägt sich auf die Musik nieder, und so wirkt der Thrash-Ansatz, nicht zuletzt aufgrund des um einen Halbton tieferen Tuning, noch beißender, noch direkter. In besagtem Track spucken Angelus Apatrida Gift und Galle, erinnern im besten Sinne an frühe Testament und werfen mit erbarmungslosem Midtempo-Beton um sich.

Das ellenlange, angenehm komplexe „Through The Glass“ zeigt zudem, wie sich das Songwriting des Quartetts in den letzten zwei Jahrzehnten weiterentwickelt hat. Zahlreiche Wendungen, überraschende Kniffe und rasiermesserschafe Gitarrenarbeit erzeugen toxische Monsterriffs und brodelnde Nervosität. Der wuchtige Opener „Indoctrinate“ zeigt sich ähnlich stark und beschwört sogleich drückende, martialische Heavyness herauf – eine echte Meisterleistung, der mit „Childhood’s End“ ein angenehm melodischer, durchaus klassischer Track gegenübersteht. Die virtuose Solo-Arbeit setzt einen willkommenen Gegenpol.

Aufgestaute Wut, angesammelte Routine und kleine Tuning-Experimente ergeben ein mögliches Karriere-Highlight. Selten klangen Angelus Apatrida so furios und losgelöst, strahlen pure Spielfreude aus und legen jegliche falsche Zurückhaltung endgültig, konsequent ab. Noch mehr klassische Thrash-Energie, geschickt eingesetzte Melodik und erbarmungsloser Dauerdruck ergeben einen echten Genre-Leckerbissen, der mit jedem Durchlauf größer und gefährlicher zu werden scheint, schnell ein energisches Eigenleben annimmt, konstant begeistert. Angelus Apatrida machen musikalisch das Beste aus einer gesellschaftlichen Scheiß-Situation und schließen zu den Granden auf.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.02.2021
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)

Website: www.angelusapatrida.com
Facebook: www.facebook.com/angelusapatrida

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Category: Magazin, Reviews

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