Touché Amoré – Lament

| 9. Oktober 2020 | 0 Comments
Touché Amoré

(c) George Clarke

Wie funktioniert das eigentlich mit dem Album nach dem Album? „Stage Four“ brachte Touché Amoré endgültig in aller Munde. Jeremy Bolm verarbeitete die Trauer über den Krebstod seiner Mutter in beklemmenden wie aufwühlenden Post-Hardcore- und No-Wave-Songs. Bolm und Band wurden zu einer Art Vehikel für Schicksalsschläge ihrer Fans, was durchaus etwas Bittersüßes an sich hat. Somit befasst sich „Lament“ mit dem Weiterleben und einem neuen Alltag. Unterstützung erfuhren das Quintett von Star-Produzent Ross Robinson, der mit seiner etwas unorthodoxen Art das emotionale und kreative Maximum aus der Band herauskitzelte.

„I’ll Be Your Host“ setzt sich deutlich mit dieser neuen Realität aus. Bolm erklärt, wie Trauererfahrungen an ihn und seine Mitstreiter herangetragen werden. Er wollte diese Rolle eigentlich nicht und versucht die eigene geistige Gesundheit zu wahren. Das vertraute Fluten und Abebben emotionaler Kaskaden begleitet brüchige Stimmbänder und krachenden, dann wieder melancholischen No Wave. In „Reminders“ geht es um die Suche nach einer Atempause, während die Welt rundherum kollabiert – mehr als nur ein Seitenhieb auf den aktuellen amerikanischen Präsidenten. Touché Amoré geben sich hier vergleichsweise direkt und punkig, reiten vornehmlich über melodische Bauten.

Was „Lament“ ebenso beherrscht, sind die etwas ungewöhnlicheren Töne. Das Quintett aus Los Angeles schreckt natürlich nicht vor Experimenten zurück und macht damit alles richtig. In „Limelight“  taucht Andy Hull von Manchester Orchestra auf und lädt im Auge des Sturms zur aufreibenden Indie- und Glum-Abfahrt ein. Am anderen Ende wartet das kurze, ruppige „Exit Row“ mit angedeuteter Post-Punk-Klaustrophobie, bevor „Savoring“ brachiale Blastbeats durch das Hardcore-Punk-Nadelöhr jagt. Das eröffnende „Come Heroine“ bemüht sich hingegen um direkte, klare Töne. Zu vertrauten Riffs und Halbsprints besingt Bolm die Liebe zu seiner Langzeitpartnerin, die seine Mauern einriss und ihn zu einem besseren Menschen machte.

„Lament“ ist ein weiteres packendes Kapitel in der nicht minder packenden Diskographie von Touché Amoré. Anstatt das Unmögliche zu wagen und es mit dem Überalbum (in jeder Hinsicht) aufzunehmen, breitet sich das US-Quintett in jeglicher Hinsicht aus – mehr Punk, mehr Nachdenklichkeit, mehr Schwere, mehr Druck. Touché Amoré versuchen aktuell noch, ihre neue Rolle vollends zu verarbeiten, und gehen mit leicht verändertem Umfeld ein weiteres Mal durch die Decke. Bleibt alles berührend und aufwühlend.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 09.10.2020
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)

Website: www.toucheamore.com
Facebook: www.facebook.com/ToucheAmore

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Category: Magazin, Reviews

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