Bury Tomorrow – Cannibal

| 3. Juli 2020 | 0 Comments
Bury Tomorrow

(c) Sony Music

Im zweiten Anlauf packen Bury Tomorrow endlich den Dampfhammer aus. Ursprünglich für Mitte März geplant und Pandemie-bedingt verschoben, reichen die britischen Metalcore-Veteranen nun ihr sechstes Studioalbum nach. Nach einem Labelwechsel und lautem Anklopfen an den britischen Top 20 ging es zurück ins Studio für eine vertraute Wuchtbrumme mit packenden Melodien, schroffen Explosionen und gewohnt schonungslosen Texten, die wiederholt im wichtigen Bereich Mental Health angesiedelt sind. „Cannibal“ ist von vorne bis hinten ein einziger Siegeszug.

Dani Winter-Bates macht aus seinem Herz keine Mördergrube und legt sein Innerstes offen, setzt sich schonungslos mit seinen Dämonen auseinander, macht Mut. „Quake“ bringt seine düstersten Momente aufs Tableau und krempelt das musikalische Konzept gleich mal um – Klargesang in den Strophen, kurze Eruptionen im Anti-Refrain, reduzierte Beklemmung und plötzliche Wutausbrüche geben sich die Klinke in die Hand. „Better Below“ bewegt sich lyrisch in ähnlichen Gefilden, schlägt allerdings vertraute Töne an. Der klassische Aufbau mit dem hymnischen Chorus am Höhepunkt wirkt vielleicht einen Tacken formelhaft, kommt dafür unfassbar gut.

Schnell ist klar, dass Bury Tomorrow in Bestform unterwegs sind. Bereits das eröffnende „Choke“ bestätigt das eindrucksvoll. Furioser Sprint, Stakkato-artige Husarenritte und das obligatorische, eingängige Auge des Sturms lassen keine Zweifel über die Qualität dieser Platte aufkommen. Der Titelsong „Cannibal“ legt den Fokus auf den Klargesang mit ausladenden Melodieteppichen, von „The Grey (VIXI)“ weiter intensiviert. „Voice & Truth“ bemüht sich um wütende Härte und Brechstange, der Rausschmeißer „Dark Infinite“ operiert sogar über weite Strecken am Limit und fühlt sich im obligatorischen Hymnenabschnitt doppelt packend an.

Natürlich bleiben die großen Überraschungen aus – „Quake“ fällt noch am ehesten aus dem Rahmen – aber das soll nun wirklich nicht stören. „Cannibal“ zeigt Bury Tomorrow in Bestform mit eingängigem Metalcore, bärenstarker Dynamik und einem Dani Winter-Bates in bestechender Laune, lyrisch wie musikalisch. Genre-Hits und Live-Wellenbrecher am laufenden Band lassen keinen Zweifel darüber, dass die Briten längst in der Core-Champions-League angekommen sind und liefern zudem einen wichtigen Beitrag zum aktuellen soziokulturellen Diskurs.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.07.2020
Erhältlich über: Music For Nations (Sony Music)

Website: www.bury-tomorrow.com
Facebook: www.facebook.com/BuryTomorrow

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Category: Magazin, Reviews

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