Heckspoiler – Synthetik Athletik

| 6. Juli 2020 | 0 Comments
Heckspoiler

(c) Christoph Weiemaier

Sie tragen enge, schwarze Rollkragenpulver, singen in Mundart und brauchen keine Gitarren: Das oberösterreichische Duo Heckspoiler ist schon jetzt Kult. Mit den Cracktickertapes sowie einer Split mit Leslie Act Thriller machten die beiden Herren bereits auf sich aufmerksam. Es gibt nur Bass, Schlagzeug und Gesang, fast durchgehend Dialekt und herrlich humorvolle Proleten-Attitüde, hinter der wesentlich mehr steckt als ein mauer Flachwitz. Auf „Synthetik Athletik“ findet sich der irgendwo zwischen Hardcore und Punk angesiedelte Sound.

Der Bass donnert und schrubbt schon mal in bester Lemmy-Manier, der Wechselgang unterstreicht den Punk-Charme des Duos. Vom erhobenen Zeigefinger halten Heckspoiler zwar herzlich wenig, ein klares Statement gegen Nazis muss dennoch sein: „Ned wie du“ ist musikalisch wie textlich ein Volltreffer, lässt sich mitsingen und zur Haupthaar-Schüttelung heranziehen. Das kurzweilige Mantra „Prolo4Life“ mit ein paar Gastgitarren von Franz Fuexe sticht heraus und bringt ein wenig Rock’n’Roll in den wilden Mix ein. Als Ausreißer passt das definitiv gut.

Nur selten bemühen sich die Oberösterreicher um Hochdeutsch. Das klingt gleich ganz anders, etwas ungewöhnlich. „Magen-Darm“ als Abhandlung über Dünnpfiff ist so und so ein Kuriosum, die Stakkato-Zeilen verpassen dem grummelnden Track eine angenehme Crossover-Schlagseite. „Mei Bus“ spielt mit wechselndem Tempo, mit ein wenig Hektik und etwas feinerem Gesang, der im Volkslied-artigen Rausschmeißer „I wundert mi“ schließlich zum Nonplusultra erklärt wird. Das schwülstige Saxophon passt natürlich prima ins Bild. Sollte das zu brav sein, dann zerlegen „Fresse“ und das wohlig abgewrackte „Stonerband 2.0“ alles, was nicht bei drei auf der Motorhaube kauert.

„Synthetik Athletik“ dreht komplett am Rad, wirkt wie ein druckvoller Fremdkörper und nistet sich doch gekonnt in der fast-metallischen Volksseele ein. Heckspoiler sind ein Kuriosum, ohne es darauf anzulegen, und haben das eindrucksvolle Talent, Punk-, Hardcore-, Rock- und Metal-Fans gemeinsam bei Bier, Pit und dialektaler Dialektik zu vereinen. 42 kurzweilige, derbe und auf den zweiten Blick unheimlich clevere Minuten liefern den unterhaltsamen Soundtrack zur verhinderten Festivalsaison.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.07.2020
Erhältlich über: Noise Appeal Records (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/heckspoiler

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Category: Local Bands, Magazin, Reviews

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