Screamer – Highway Of Heroes

| 10. Oktober 2019 | 0 Comments
Screamer

(c) The Sign Records

Klassische Metal-Klänge scheinen in Schweden immer Saison zu haben – siehe und höre RAM, die erst kürzlich ihr 20jähriges Bestehen mit einem neuen Dampfhammer begingen. Ihre Landsleute Screamer sind so etwas wie die kleinen Brüder im Geiste, denn der Mix aus Heavy Metal, Speed Metal und ein wenig NWOBHM spielt auch bei diesem skandinavischen Quintett eine zentrale Rolle. Irgendwo zwischen Priest, Maiden und Dio siedelt sich das vierte Studioalbum „Highway Of Heroes“ an.

Nach einem kurzen Intro schießt „Ride On“ förmlich aus den Boxen und bringt den Sound der Schweden in knapp dreieinhalb Minuten auf den Punkt. Furioses Riffing, leicht erhöhtes Tempo und leidenschaftliche Vocals, die im richtigen Moment in höhere Register wechseln, tragen durch Retro-Klänge aus den späten 70ern und frühen 80ern. Aus der Metal-Ursuppe entsteigt ein kurzweiliger Mini-Hit – vielleicht nicht sonderlich innovativ, dafür unterhaltsam. Das gilt im Übrigen auch für „Shadow Winter“, das direkt im Anschluss die Pommesgabel in die Luft reckt. Beinahe punkige Wut, ein echter Ohrwurm von einem Refrain, ja sogar einzelne Querverweise auf die Anfänge von Glam säumen diesen Exkurs.

Screamer fühlen sich im Übrigen auch in den längeren Tracks hörbar wohl. Das abschließende „Caught In Lies“ krabbelt über die Fünf-Minuten-Marke, absolviert weite Teile im Vollsprint und lässt den melodischen Wurmfortsatz in gar hymnische Gefilde vorstoßen. Ein weiterer Überflieger ist „Sacrifice“. Hier rufen die Schweden einen Priester an, von archetypischem Maiden-Riffing, dezenter Düsternis und trvem Biss angetrieben. Der Refrain wäre schnell eingeprägt und mitgebrüllt, alles weitere ist schwermetallische Routine der grenzgenialen Sorte.

Frische Impulse mögen zwar Mangelware sein, packend ist dieses vierte Album dafür allemal ausgefallen. „Highway Of Heroes“ nimmt alles mit, was die klassische Metalschule ausmacht, und hätte in dieser Form auch locker vor knapp 40 Jahren funktionieren können. Einmal mehr arbeiten sich Screamer durch die Ursuppe des liebgewonnenen Genres und schreiben zeitlose Songs am laufenden Band. Innovation bleibt aus, muss aber auch nicht sein: Das Metaller-Herz lacht und blutet zugleich.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 11.10.2019
Erhältlich über: The Sign Records (Cargo Records)

Website: wearescreamer.com
Facebook: www.facebook.com/wearescreamer

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Category: Magazin, Reviews

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