Wayste – The Flesh And Blood

| 6. September 2018 | 0 Comments
Wayste

(c) Day By Day Records / Through Love Records

So schön kann unbequem sein: Wayste sind ein (fast) unbeschriebenes Blatt und nützen diese musikalische Narrenfreiheit komplett aus. Ihr Sound, eine wütende Mischung aus Hardcore und Punk, erinnert an verschiedene britische und amerikanische Genre-Größen. Tatsächlich kommt das Trio aus Leipzig, versteht sich vor allem als Live-Band und kann bis dato auf eine mächtige EP zurückblicken. „The Flesh And Blood“ ist nun ihr Full-Length-Einstand.

Natürlich drängen sich in diesen 37 Minuten immer wieder prominente Vergleiche auf. So wühlt „Holy Smoke“ beispielsweise ordentlich in der Converge-Mottenkiste, nimmt aber auch ein wenig Gallows mit – eine kurzweilige Kombination, natürlich knüppelhart und unwiderstehlich serviert. Dass es auch ganz anders geht, beweist „Elder“. Hier schlagen Wayste ruhigere Töne an, nehmen sogar eine Prise Emocore mit und experimentieren mit semi-balladesken, wohl aber nach wie vor unheimlich verbissenen Strukturen.

Wieder eine Tür weiter rattert „Sever And Serve“ von kaputtem D-Beat über experimentelle Core- und Klargesang-Passagen bis zur eierlegenden Wollmilchsau. Geht das als ‚Math light‘ durch? Eigentlich egal, denn in dieser anspruchsvollen Platte über Leben, Tod, das Alter und die menschliche Existenz liegt großer Reiz. Bereits der Opener „I And You“ pendelt zwischen furiosem Chaos und schroffen, brodelnden Breaks. „Pious Brother“ lässt vereinzelte klaustrophobe Melodien Einzug halten und unterhält damit ebenso wie das verschachtelte, stellenweise der bluesigen Apokalypse nahe „Mourn“.

Ein beklemmendes Gefühl macht sich breit; ein Gefühl, welches mit jedem Durchlauf zunimmt. „The Flesh And Blood“ löst das Versprechen der bereits unterhaltsamen EP „No Innocence“ doppelt und dreifach ein. Natürlich hört man die Wayste’schen Vorbilder immer wieder heraus, aber das ist auch in Ordnung. Schließlich setzen die deutschen Nachbarn kurzweilige eigene Akzente, verstehen sich auf martialisch-charmante Pluralität und überraschen mit geschickten Wendungen und wechselnder Szenerie. An diesem Debüt hat man sicher noch lange zu knabbern, und zwar im besten, halsbrecherischen und existenzialistich bedrückenden Sinn.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 07.09.2018
Erhältlich über: Day By Day Records / Through Love Records (Indigo)

Facebook: www.facebook.com/waysteband

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Category: Magazin, Reviews

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