Gojira – Magma

| 17. Juni 2016 | 0 Comments
Gojira

(c) WMG

Was passiert, wenn man gefeierte Alben im Akkord veröffentlicht, mit den erfolgreichsten Metal-Bands der letzten Jahrzehnte um die Welt touren darf und zum Kritikerliebling aufsteigt? Im Fall von Gojira stand der Bau eines eigenen Studios auf dem Plan, das als Schauplatz für die Aufnahmen des Nachfolgers von „L’Enfant Sauvage“ (2012). Keinerlei äußeren Einflüsse, nur vier unheimlich talentierte Franzosen und die eierlegende Groove-Wollmilchsau – fertig ist „Magma“, hörbar geprägt vom Tod der Mutter der Duplantier-Brüder während der Songwriting-Sessions.

Trauerarbeit hin oder her, Gojira zeigen sich von der ersten Sekunde an in guter Form. Das Tempo wurde insgesamt etwas reduziert, der Fokus liegt noch stärker auf Prog mit dezenten Ambient-Einflüssen – das hatte sich auf der letzten Platte bereits angedeutet. „The Shooting Star“ rollt trotz ausladender Spielzeug langsam an, wirkt wie ein ellenlanges Intro, eine Art mächtige Fanfare, die mit ätherisch-modernen Tönen auf den Rest des Albums vorbereitet.

„Silvera“ macht vieles richtig und erinnert ein wenig an die jüngere Mastodon-Vergangenheit – übrigens nicht der letzte entsprechende Querverweis auf diesem Album. Erste echte Abrissbirne ist das bereits bestens bekannte „Stranded“ mit seiner quengelnden Gitarre, brodelndem Midtempo-Groove und wahnwitzgem Drumming. Joe Duplantier singt und brummt genial drüber, der Refrain entpuppt sich als Hymne zum Niederknien – was will man mehr? Vielleicht bissige, kompakte Attacken Marke „Only Pain“, das ein wenig an eben jenes „Stranded“ anknüpft und sogar dessen Quengel-Squeal recycelt.

Gojira bewegen sich auf „Magma“ bevorzugt in ruhigeren, proggigen (Requiem-)Gefilden, vergessen dabei aber keinesfalls auf ihre Groove-Spielfreude, die mittlerweile eine Spur jazziger anmutet als zuletzt. So explodiert beispielsweise der Titeltrack mehrfach im Kleinen und bleibt doch entspannt, schreibt ätherisch voran und stellt Atmosphäre vor Druck. Mit diesem Rezept punktet übrigens auch „Low Lands“. Wer hingegen auf die wütende, beinahe thrashigen Klängen der früheren Jahre wartet, wird mit dem kurzweiligen „Pray“ belohnt.

Viel instrumentale Luft, deutlich mehr Prog und Atmosphäre vor Extreme: Gojira setzen ihre musikalische Evolution konsequent fort. Ja, die abgedrehte Genialität von „L’Enfant Sauvage“ und dem unerreichten „From Mars To Sirius“ fehlt auf „Magma“ ein wenig, doch auch mit diesem verständlicherweise nachdenklicheren, geordneten Weg gehen die vier Franzosen in eine ansprechende Richtung. Das sechste Gojira-Album hat stellenweise etwas von einer Übergangsplatte und lässt die Frage, ob es künftig wieder extremer oder nun doch deutlich proggiger und klassischer wird, komplett offen. Ob „Pray“ für alte Fans, der Titeltrack als Neo-Prog-Leckerbissen oder „Stranded“ als goldener Mittelweg – hier ist für jeden etwas dabei.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.06.2016
Erhältlich über: Roadrunner Records (Warner Music)

Website: www.gojira-music.com
Facebook: www.facebook.com/GojiraMusic

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Category: Magazin, Reviews

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