Miss Lava – Red Supergiant

| 21. August 2013 | 0 Comments

Miss Lava

Wenn es um harte Musik geht, fristet Portugal ein Schattendasein. Moonspell kennt man, eventuell nach Corpus Christii; dahinter wird es jedoch, pardon, düster. Miss Lava treten nun den Beweis an, dass man auf der iberischen Halbinsel ordentlich rocken kann. Das Quartett aus der Hauptstadt Lissabon hat sich voll und ganz Stoner-Klängen sowie möglichst antiquierten Riffs verschrieben, was mittlerweile auch die Genre-Experten bei Small Stone auf den Plan gerufen hat. Das zweite Miss Lava-Album „Red Supergiant“ erhält durch diese neue Kollaboration nun den verdienten weltweiten Release.

Wie sich das so gehört, tauchen Miss Lava mit einem Kickstart in ihren Zweitling ein und nehmen den geneigten Hörer von der ersten Note an gefangen. „Desert Mind“ lebt von seinem bissigen, dezent angepunkten Riff und dem nicht minder unwiderstehlichen Basslauf. Sänger Johnny Lee bewegt sich knapp unterhalb der gängigen Ozzy-Höhen, vermeidet es jedoch auch in entsprechende Tiefen abzutauchen. Dieser MOR-Weg mag nicht gerade spektakulär sein, er passt jedoch perfekt zum Sound der Portugiesen, die mit „Lay Down“ sogleich ein weiteres Brett nachlegen. Die Ausrichtung wirkt insgesamt eine Spur düsterer und wuchtiger – eine willkommene Abwechslung, eine weitere interessante Facette.

Ausfälle leisten sich die Portugiesen keine, auch wenn ihre (Post-)Grunge-Ausflüge zumindest gewöhnungsbedürftig ausfallen. An das manische, insgesamt jedoch etwas schleppende „Hole In China“ muss man sich erst einmal gewöhnen. Deutlich interessanter sind Wellenbrecher Marke „Yesterday’s Gone“ und „Ride“, zwei knüppelharte Songs, die beinahe in metallische Gebiete führen, das Stoner-Korsett allerdings zu keiner Zeit verlassen. Dass die seltenen ruhigen Momente unterhalten können, zeigt der abschließende Titeltrack, ein verführerischer, beinahe anzüglicher Ausflug, der entfernt an den Space Rock von Monster Magnet erinnert.

Unterm Strich bleibt ein internationales Debüt mit hohem Suchtfaktor. Miss Lava haben den schweißtreibenden Wüstensound mit bärbeißigem Southern Rock und einer – nicht immer erfolgsversprechenden – Portion Grunge für maximalen Wumms gestreckt. „Red Supergiant“ mag nicht perfekt sein, es unterhält dafür blendend von der ersten bis zur letzten Sekunde mit hochklassigen Instrumentalisten und einem etwas ungewöhnlichen Sänger, der zwischen den gängigen Extremen seine Nische gefunden hat.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.08.2013
Erhätlich über: Small Stone Recordings (Cargo Records)

Website: www.misslava.com
Facebook: www.facebook.com/MissLavaOfficial

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Category: Magazin, Reviews

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