Interview mit Trevor Phipps von Unearth

| 17. September 2011 | 0 Comments

Unearth

Die alljährliche Hell On Earth-Tour machte am 13.09. erstmalig im Grazer Explosiv halt. Angeführt  wurde der Tour-Tross von den Metalcore-Dauerbrennern Unearth aus Massachusetts. Sänger Trevor Phipps stand uns vor dem Live-Debüt in der Steiermark Rede und Antwort.

Wie ist die Tour bis jetzt verlaufen?

Bis jetzt ist alles sehr gut gegangen. Besonders die Shows auf dem europäischen Festland waren großartig. Wir haben jede Nacht gut besuchte Gigs und immer eine gute Zeit – 26 Tage, 26 Shows und ein freier Tag.

Es gibt Bands, welche die Zeit im Studio gegenüber einer Tournee vorziehen und umgekehrt. Zu welchen Bands zählt Unearth?

Ich persönlich bin ein Tour-Typ. Ken (Susi) hat sein eigenes Studio, also glaube ich, dass er die Zeit im Studio sicher auch genießt. Aber wir sind definitiv eine Tour-Band. Wir sind acht Monate im Jahr unterwegs weil es uns einfach Spaß macht.

Kommen wir zu eurem neuesten Album "Darkness In The Light". Was bedeuten der Titel und das Cover-Artwork?

Das Artwork bezieht sich nicht auf alle Songs auf dem Album, aber einige von ihnen handeln von den schwierigen Zeiten im Leben. Da diese Thematik auf dem Album dominiert, machte der Titel für uns einfach am meisten Sinn. Die Songs drehen sich um all den Mist, mit dem wir konfrontiert werden wie z.B. der Tod eines Freundes oder eines Familienmitgliedes, und andere harte Zeiten. Man versucht die Dinge positiv zu sehen, aber manchmal konzentriert man sich auf die negativen Aspekte. Auf dem Cover sieht man einen Ertrinkenden, der nach dem Licht an der Oberfläche greift, aber nach unten gezogen wird. Manchmal muss man sich von den Ketten befreien, die einen festhalten. Es hängt von der Person selbst ab, einen Ausweg zu besseren Zeiten zu finden.

Wer hatte die Idee für das Artwork?

Ein Freund von Ken nahm ein Album mit seiner Band in Kens Studio auf. Eines Tages zeigte er uns ein Bild, welches gut zum Album passte. Wir hatten auch andere Artwork-Entwürfe und Titel, aber diese beiden ergänzten sich einfach perfekt.

Haltet ihr euch an eine spezielle Formel wenn es ans Songwriting geht, oder probiert ihr jedes Mal etwas anderes?

Wir machen immer alles gleich.  Mit dieser Platte war es im Großen und Ganzen ähnlich, aber wir schrieben die Songs ohne Drummer. Für gewöhnlich kamen Buz (McGrath) und Ken mit ein paar Riffs zur Probe und wenn wir die Ideen mochten legten wir ein paar Drum-Spuren dazu. Da wir dieses Mal keinen Drummer hatten, griffen wir auf einen Drum-Computer zurück. Die Demo-Tracks schickten wir anschließend Justin (Foley von Killswitch Engage), der in Massachusetts lebt. Er hat sich die Tracks angehört und sie mit eigenen, besseren Ideen versehen. Sobald der Song dann fertig ist, schreibe ich die Lyrics dazu und versuche die Stimmung der jeweiligen Songs einzufangen. Die Vocals kommen also immer zum Schluss.

Das Album ist jetzt ein paar Monate auf dem Markt. Rückblickend, wie zufrieden bist du mit dem Album?

Ich liebe es. Der Mix ist großartig und jedes Bandmitglied hat eine Top-Performance abgeliefert. Wir hatten eine Menge Spaß während den Aufnahmen. Das Songwriting kann sich sehen lassen. Wir haben das Album so gemacht, wie wir es haben wollten, und spürten keinerlei Druck dabei. Die gesamte Band war hochmotiviert. Motiviert sind wir eigentlich immer, aber dieses Mal war es noch intensiver. Die Band macht mit „Darkness In The Light“ einen „Friss oder stirb“-Moment durch. Wir touren seit ungefähr zehn Jahren und wir haben eine Menge Bands kommen und gehen sehen. Wir sind immer noch hier und wir haben auch nicht vor irgendwo hinzugehen. Diese Einstellung hat uns noch heißer gemacht. Wir wollten den Leuten etwas  geben, was in ihnen den Wunsch nach mehr erweckt.

Justin Foley ist auf dieser Tour mit dabei. Gibt es Pläne Justin auch in Zukunft als Drummer für Unearth anzuheuern?

Das ist seine letzte Tour mit uns. Er hat uns im Juli und August in den Staaten unterstützt und er ist bei dieser Tour dabei. Mitte Oktober geht es für uns nach Japan und danach touren wir wieder in den Staaten bis Ende Dezember. Wir haben einen Typ namens Nick Pierce im Auge, der für kurze Zeit Drummer bei The Faceless war. Er ist ein großartiger Drummer. Du kannst dich davon auf YouTube überzeugen. Wir wollen ihn über einen längeren Zeitraum testen. Er könnte unser nächster Drummer werden. Aber wie du weißt, wechseln wir Drummer, wie andere ihre Socken (lacht). In dieser Hinsicht sind wir etwas wie Spinal Tap. Wir wollen sicher gehen, dass er der Richtige ist. Er ist wirklich talentiert. Im Mai haben wir ihn für ein paar Shows nach Alaska mitgenommen und er scheint ein echt cooler Kerl zu sein. Ich glaube, dass er gut zu uns passen würde, aber wir wollen auf Nummer sicher gehen.

Zurück zum Tour-Leben. Gibt es eine Art Tradition oder Ritual, welches ihr auf jeder Tour - egal wo – ausübt?

Wir haben unser „Pre-Game“ vor jeder Show. Wir haben eine Flasche Whiskey und bevor wir auf die Bühne gehen nehmen wir alle ein paar Shots. Wir trinken nicht zu viele, nur eine Handvoll, genau richtig, um uns gut zu fühlen. Dazu kommen noch ein paar Liegestütze, Hampelmänner und Dehnübungen. Das machen wir jeden Tag. Wir legen auch noch ein paar Hard Rock und Metal Klassiker auf, um uns anzuheizen. Iron Maiden, Van Halen, Metallica und Sepultura putschen uns immer schön hoch.

Eine letzte Frage hab ich noch. Du hast ja bestimmt noch einiges zu tun oder?

Nicht unbedingt. Davor habe ich „Words With Friends“ auf meinem iPhone gespielt (lacht).

Alles klar. Kannst du mir dann erzählen, was das beste Erlebnis war, das euch je auf Tour passiert ist?

Es ist schwer zu sagen, welches das Beste war, weil es in zehn Jahren Tour-Geschichte doch einige Highlights gibt. Es gibt natürlich ein paar Shows, die sich vom Rest abheben. Letztes Jahr spielten wir auf der Main Stage auf dem Download Festival in England vor 50.000 Menschen. 2008 haben wir in Wacken vor 30.000 Leuten gespielt. 2004 haben wir beim Hellfest in Amerika gespielt und das, was sich da abgespielt hat war absolut verrückt. Das war die beste Show, die wir je gespielt haben. Es gibt verschiedene Momente, welche über die Jahre als die besten hervorstechen.

Was war das Schlimmste?

Das Schlimmste was uns je passiert ist, ereignete sich während unserer ersten Tour in 2001. Jemand ist in unseren Van eingebrochen und hat ein Haufen Zeug gestohlen. Wir haben herausgefunden wer es war. Sein Blut war überall im Van und auf unseren Sachen. Schließlich stellte sich heraus, dass der Kerl Aids hatte. Wir haben uns dann entschieden ihm unsere Sachen zu überlassen und keine Anzeige zu erstatten, da er bereits sehr krank war. Es war eine Verzweiflungstat von ihm, die uns eine Menge Kopfschmerzen bereitete.

...und das Verrückteste?

Ich vergesse oft die Geschichte von unserem verrücktesten Erlebnis zu erzählen, aber wir haben erst kürzlich wieder davon gesprochen. 2006 oder 2005 spielten wir bei Rock am Ring / Rock im Park. Wir gaben eine großartige Show und wir hatten ein paar Flaschen Jägermeister. Unser damaliger Drummer Mike Justin hat sich kurzerhand entschlossen sich ordentlich volllaufen zu lassen. Er nahm also eine Flasche und trank das ganze Zeug, als wäre es Wasser. Kurz darauf verschwand er. Unser Bus sollte um 5:30 Uhr in der Früh losfahren und wir konnten ihn bis dahin nicht finden. Alle anderen gingen schlafen und unser Busfahrer wusste nicht einmal, dass Mike fehlte. Im Glauben, dass der Bus sicher nicht losfahren würde, ging Ken noch einmal los, um sich zu duschen. Der Bus fuhr wie geplant um 5:30 Uhr ab, ohne Ken und Mike. Als Ken zurückkam und den Bus nicht mehr fand, ging er zum Produktionsbüro. Irgendwann tauchte ein Auto auf und Mike war auf dem Rücksitz, komplett vollgekotzt. Ihm wurde so schlecht auf einer Party, dass er sich selbst vollgekotzt hat und dann das Bewusstsein verloren hat. Das nächste Festival war ungefähr eine vierstündige Zugfahrt entfernt. Auf Grund dessen, dass Ken nur seine Boxershorts und sein Duschzeug dabei hatte und Mikes Sachen ruiniert waren, gab man ihnen Rennoveralls und setzte sie in einen Zug. Sie schafften es gerade noch rechtzeitig. Dazu kommt noch, dass Ken und Mike sich nicht besonders gut leiden konnten. Deshalb glaube ich, dass es eine sehr ruhige Zugfahrt war (lacht).

Wie eng sind eure Tourpläne? Habt ihr Zeit euch Dinge anzusehen?

Normalerweise, ja, aber dieses Mal sind wir zeitlich ziemlich limitiert. Wir kommen an, räumen aus, machen unseren Soundcheck, Abendessen und dann spielen wir. Aber für gewöhnlich mach ich mich gerne auf die Socken um mir die Städte etwas genauer anzusehen. Da hat man es als Support-Band einfacher, weil der Soundcheck nicht wirklich notwendig ist. Du kannst losziehen und musst nur darauf achten,  dass du ca. eine Stunde bevor du auf die Bühne gehst wieder da bist.

Danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft.

Danke. Hoffen wir, dass es eine gute Show wird.

Website: unearth.tv
Facebook: www.facebook.com/unearthofficial

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Category: Interviews, Magazin

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