The Keening – Devotion

(c) Angela H. Brown
Ende Juli standen SubRosa wieder gemeinsam auf der Bühne, was bis vor kurzer Zeit noch unmöglich erschien. Was genau die Zukunft bringen wird, ist noch unbekannt – aktuell ist zumindest ein weiteres Konzert in den USA für Anfang 2027 angesagt, weil die Musiker*innen an diversen anderen Projekten arbeiten. Während The Otolith gerade ihr zweites Album aufnehmen, meldet sich Rebecca Vernon bereits mit ihrer deutlich ruhigeren Solo-Spielwiese The Keening zurück. „Devotion“ hat eigentlich schon mehrere Jahre auf dem Buckel, entstand in einer privat schweren Zeit und ist Vernons Vater gewidmet, der im Mai 2025 verstarb.
Er war es, der sie für die Demo-Aufnahmen in seiner Wohnung in einer Altersresidenz einlud, wo sie tagsüber Musik schrieb und aufnahm und abends gemeinsam mit anderen Bewohnern speiste. Bereits 2022 fertig gemastert, setzt der Nachfolger von „Little Bird“ dessen musikalische und textliche Visionen konsequent fort. Die heimelige und zugleich unheimliche Magie eines „A Little Bit Of Blood“ bringt den vertrauten und doch andersartigen Sound Vernons auf den Punkt, verpackt Neofolk in aufwühlend arrangierte Gefilde, wächst sieben Minuten lang nahezu unaufhörlich und verbindet dies mit einem Mix aus Doom und Post Rock, der natürlich erneut an ihr altes, neues musikalisches Zuhause erinnert und dabei angenehm frisch bleibt.
Die A-Seite dieses Albums, die ersten 20 Minuten, bestehen hingegen aus dem vierteiligen Titelsong – eine knifflige und zugleich mehr als willkommene Herausforderung. Besondere Beachtung verdient „Devotion II – Fitful Sleep“, dessen vorsichtiges bis schüchternes Auftreten sofort verzaubert. Die aufwühlende Violine als Gegenpol zum gemächlich und doch drückend agierenden Bass hypnotisiert regelrecht. In dieser minutenlangen Ausreizung instrumentaler Weisheiten liegt viel – da ist dieses Wort wieder – Magie, während die mystische Coda verzaubert. Ebenfalls kraftvoll, bloß auf ganz andere Weise, gibt sich der ellenlange Rausschmeißer „The Murder Of Anna Brown“, der vor allem im anschwellenden Mittelteil alte Heavyness beschwört.
Was Rebecca Vernon hier erschafft, beeindruckt abermals. In den leisen Tönen verarbeitet sie Schmerzen und Trauma, die bei SubRosa unter zentnerschweren Lasten und mächtigen Doom-Wänden ruhten. „Devotion“ ringt mit sich und seiner Umgebung, kämpft sich zurück und muss sich doch erst selbst zerlegen, um den Wiederaufbau einläuten zu können. The Keening heilt die Seele der Protagonistin und erschafft nebenbei beklemmende, fragile Schönheit, die stets zu zerbrechen droht. Die alle Anstrengungen benötigt, um zu bestehen. Das schmerzt im besten Sinne und erwärmt selbst das finsterste Herz.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Relapse Records (SPV)
Website: www.thekeening.com
Facebook: www.facebook.com/thekeeningmusic


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