Miss May I – No Place For Me

(c) Sekondtry
Eine Phase voller Einschnitte und Veränderungen geht für Miss May I nun zu Ende. Nach dem Release von „Curse Of Existence“ stotterte die Maschine ein wenig. 2024 verließen gleich beide Gitarristen die Band, der zuvor live aushelfende Elisha Mullins übernahm ihre Rollen. Als neuformiertes Quartett gab es zudem einen erneuten Label-Wechsel (aktuell steht man bei Solid State unter Vertrag), zudem erschien eine Neuaufnahme des Einstands „Apologies For The Weak“ mit allerlei prominenten Gästen und langjährigen Wegbegleitern. „No Place For Me“, das achte Studioalbum, serviert dafür gewohnte Kost.
Frontmann Levi Benton sprach von einer Art Midlife-Crisis während den Arbeiten an der neuen Platte, musste erst mit sich selbst und seinen Fehlern ins Reine kommen. Daraus entwickelte sich letztlich das thematische Herzstück einer Platte, die sich um Beständigkeit, Durchsetzungsvermögen und Gemeinschaft dreht. Der Ursprung ist aber alles andere als angenehm: „Portrait Of Pain“ trägt diesen bereits im Titel, eine Anspielung auf eine schwierige Kindheit und Jugend. Der giftige Metalcore-Stomper klingt gewohnt brutal in den Strophen, schüttelt einen hymnischen Refrain aus dem Ärmel und langt immer wieder beherzt zu – Miss May I in Reinkultur.
Eine Fülle typischer, aber alles andere als schlechter Tracks säumt diese Platte. „Bury Me Down“ entwickelt sich zwischendurch zum tödlichen Sprinter, überrascht mit derben Blast-Attacken, nur um aus dem Nichts direkt ins Ohr zu gehen. Auch „Pray For Silence“ arbeitet mit bestens vertrauter Kost und klopft einen der eingängigsten Momente der gesamten Platte raus. Übertroffen wird das einzig von „Fire Falls“, das Clear Vocals in den Mittelpunkt rückt – ein vertrautes Stilmittel, mit fiesen Widerhäkchen versehen. Und dann ist da noch der furiose Abgang „Highbrow Thieves“, der sämtliche Stärken auf drei Minuten kondensiert und immer wieder beherzt zulangt.
Große Überraschungen bleiben vielleicht aus, dafür konsolidieren sich Miss May I abermals auf hohem Niveau. „No Place For Me“ serviert mächtigen Metalcore zwischen klassischem Sound und moderner Interpretation, mit durchaus vertrauter Formel, aber durchschlagendem Erfolg. Elisha Mullins ist ein Glücksgriff an der Gitarre, die Rhythmusabteilung wirkt bestens aufgelegt und Levi Benton springt abermals scheinbar spielerisch zwischen klaren Hooks und wüsten Screams. Hier etwas härter, dort eine Spur eingängiger, insgesamt knackiger und kompakter: Miss May I liefern erneut in bestechender Form ab.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 02.10.2026
Erhältlich über: Solid State Records (SPV)
Website: missmayi.com
Facebook: www.facebook.com/missmayi


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