Knumears – Directions

| 29. Juli 2026 | 0 Comments
Knumears

(c) Kara Aguilera

Aktuell rollt ein kleines, aber definitiv feines Screamo-Revival durch die Lande. Der Sound der 90er ist momentan so und so angesagt, in verschiedensten Form, und Knumears machen sich das zunutze. Das Trio aus Los Angeles gibt es bereits seit 2021, man tourte fleißig und veröffentlichte diverse Singles und Kleinformate. Das etwas zu Unrecht übersehene „Directions“ ist ihr erstes komplettes Album und bringt so ziemlich alles, was das Genre auszeichnet, auf den krachenden Punkt. Dass dahinter viel Arbeit und Konzentration steckt, hört man kaum.

Tatsächlich befasst sich der Einstand mit dem Ende der Jugend, mit dem Erwachsenwerden und den Herausforderungen, die sich nun auftürmen – chaotisch, verwirrend und beängstigend, wie eben im echten Leben. Dass der rein instrumentale Auftakt „Introduction“ länger als zwei Drittel der weiteren Tracks ausfällt, passt irgendwie ins Bild. Die Art und Weise, wie sich Knumears von ihren Fängen lösen und nach vorne blicken, ringt Respekt ab. Danach schlägt „One Light, Sunshine“ erst einmal locker auf, bevor sich die Schleusen öffnen. Pure, schroffe Wut mit einem Hauch Post Black Metal, kathartische Druckwellen und der komplette Zusammenbruch eines ganzen Songs finden in kurzer Abfolge zusammen, die schleppende Heavyness im Abgang macht Sinn.

Eine gewisse nervöse Energie umweht die gesamte Platte, von „Bridged“ nahezu perfekt auf den Punkt gebracht. Minutenlanges Verharren in angespannter Stille, während die Rhytmusabteilung dröhnt und die Gitarre heult, bereitet nur unzureichend auf die urplötzliche, vehemente Explosion vor. Plötzlich schlagen die Kalifornier wild um sich, schalten das Tempo rauf und runter, von drückender Schwere über absolute Vollsprints bis hin zu martialischen Breakdown. Beiläufiges Schrammeln begleitet das abstoßende und zugleich für sich einnehmende „Breaking Ground“, dessen schmerzende Melancholie aus sämtlichen Poren trieft. Und dann ist da noch „Fade Away“ mit Jeff Smith (Jerome’s Dream) – 106 Sekunden noisiges Chaos mit Math-artigem Wahnwitz.

All das kommt in unter einer halben Stunde zusammen, hinterlässt atemlos und schweißdurchnässt. Knumears kämpfen mit sich und ihrer Umwelt, versuchen ihren Platz in der Welt zu finden und schütteln dabei herrlich derben, abgefuckten und aufrichtigen, ehrlichen Screamo aus dem zerfetzten Ärmel. Die nahezu omnipräsente Wut zeigt eine Band am Rande des Zusammenbruchs, das Nervenkostüm bis zum Zerreißen der Drahtseile gespannt, während sich Türen abwechselnd öffnen und schließen. „Directions“ sucht nach selbigen und nach Antworten, wenn es nur Fragen geben kann – großes, anstrengendes und im besten Sinne herausforderndes Kino.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: Run For Cover Records / Summer Shade (Cargo Records)

Website: knumears.com
Instagram: www.instagram.com/meandyouscreaming

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Category: Magazin, Reviews

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