Converge – Love Is Not Enough

(c) Jason Zucco
Keine Gäste. Keine Studio-Gimmicks. Keine ewige Suche nach dem perfekten Take. Converge vermissen momentan einen gewissen Realismus in weiten Teilen moderner Musik, wie Frontmann Jacob Bannon zu Protokoll gibt, und entschlossen sich dazu, den Blick auf das Wesentliche ihres wüsten, sympathisch zerstörerischen Sounds zu legen. Das erste reguläre Album seit November 2017 – zwischendurch erschien unter anderem die exzellente Kollab-Platte „Bloodmoon: I“ – befasst sich mit der alltäglichen Brutalität der Welt, mit dem Ringen um den eigenen Platz in selbiger, mit Durchhaltevermögen und der steten Überforderung moderner, chaotischer Zeiten. „Love Is Not Enough“ ist mehr als nur die passende Überschrift zur Gegenwart.
Das eröffnende Doppel zerstört mit Anlauf. Erst sucht der Titelsong „Love Is Not Enough“ nach einem gesunden Umgang mit der chaotischen Ungewissheit des Hier und Jetzt. Bannon und Bassist Nate Newton spielen sich die geifernden Bälle zu, Kurt Ballous Trademark-Riffs samt Mini-Noise-Solo zerlegen alles und das gewohnt atemlose Drumming von Ben Koller landet präzise; etatmäßige Entschleunigung zum Schluss inklusive. Das sehr persönliche „Bad Faith“ im Anschluss bemüht zermürbende Schwere, brüllt sich die Seele aus dem Leib und erhöht die Aggression im Midtempo-Sektor. Nahezu klare Screams mittendrin gehen unter die Haut.
Die längeren, komplexeren Tracks warten am anderen Albumende. Da wäre beispielweise „Gilded Cage“, verspielt bis feinsinnig, bis die Rhythmusabteilung einsetzt. Schneidender Basston und erstaunlich verzweifelte Vocals lassen die angezogene Handbremse emotional eskalieren. Erst im Schlussakt wird es ein wenig lauter, aggressiver und widerspenstiger, doch kann dieser Post-Metalcore-Sound mit chaotischem Zeitlupen-Math-Einschlag ebenso begeistern wie das kauzige, schwerfällige „Amon Amok“. Converge ringen um Fassung, werfen gutturale Screams in das weite, entschleunigte Rund und ringen mit der eigenen Umwelt. Davon hält „Distract And Divide“ nichts und macht in 91 Sekunden einfach mal alles platt. Das abschließened „We Were Never The Same“ ist ein weiterer Standout, erinnert ebenso an die Frühphase wie an jüngere Gemächlichkeit, wirkt stets bedrohlich und zugleich psychotisch.
Tatsächlich kommen Converge dem Sound von „Jane Doe“, aber auch „No Heroes“ stellenweise so nahe wie lange nicht. Hier wurden einfach mal alle Ablenkungen über Bord geschmissen, um einfach nur zu machen – hart, kompromisslos, mit Mut zur Hässlichkeit, aber auch von verständlicher innerer Zerrissenheit geprägt. „Love Is Not Enough“ ist bemerkenswert in seiner Direktheit, selbst im gerade in der zweiten Albumhälfte gerne eingesetzten Midtempo, ohne Chaos, sperrige Math-Einschläge und metallische Wut zu ignorieren. Das Quartett findet einen eindrucksvollen Mittelweg der verständlichen Eskalation, so roh und unmittelbar wie lange nicht. Und das nach über 35 Jahren als Band – schon jetzt eines der besten Alben des Jahres.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)
Website: www.convergecult.com
Facebook: www.facebook.com/converge
Slider-Pic (c) Jason Zucco


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