Blackwater Holylight – Not Here Not Gone

(c) Magdalena Wosinska
Nach drei Alben – zuletzt „Silence/Motion“ im Oktober 2021 – brauchten Blackwater Holylight einen Tapetenwechsel. Die Band zog vor drei Jahren von Portland nach Los Angeles und fing von vorne an – ohne Arbeit, ohne langjährige Freunde und fernab von allen Gewohnheiten und Lastern. Mittlerweile zum Trio geschrumpft, suchte und fand man die alte Magie wieder, transportierte Düsternis und Schwermut aus der alten Heimat an die sonnige Westküste. „Not Here Not Gone“ erkennt, dass die Energie der zurückgelassenen Menschen weiterhin spürbar ist, und erforscht einmal mehr das stete Spannungsfeld zwischen Licht und Dunkel.
„Heavy, Why?“ hat etwas von einer rhetorischen Frage, die zugleich die musikalische Ausrichtung dieser Platte umreißt. Eine gewisse Schwere bleibt erhalten und trifft auf bittersüße Melodik, zwischen Doom, Sludge, Psychedelia und Shoegaze angesetzt. Zermürbende Riffs und Sunny Faris‘ ätherische Vocals schaffen vertraute Kontraste im konstanten Spannungsfeld zwischen vorsichtiger Hoffnung und drohendem Untergangsszenario. Härter wird es nur selten – der siebenminütige Rausschmeißer „Poppyfields“ nimmt zwischenzeitlich ordentlich Tempo auf, packt Blastbeats in Hülle und Fülle aus und watet knietief in Post-Black-Metal-Untiefen. Das steht dem Trio hervorragend zu Gesicht.
Viel typischer sind aber Songs wie „Void To Be“, deren Harmonien den Kopf verdrehen. Ruppige Distortion trifft auf proggige Pionierarbeit und fast poppige Melodien – zwischen Schubladen und Jahrzehnten gefangen und dabei doch so mitreißend. Ähnliches gelingt „How Will You Feel“ mit Hochglanz-Synthesizer-Leitmotiv, das erst spät in den Hintergrund driftet und den verkopften, zugleich klaren und harmonischen Strophen Platz macht. Das geht direkt ins Ohr, keine Frage, doch deutet die singende Gitarre drohendes Unheil an, das zumindest vorerst ausbleibt. „Bodies“ spielt erst mit einer Occult-Rock-Melodie, bevor galliger Sludge mit Torche-Flair die Zähne zeigt.
Diese Weiterentwicklung auf Raten macht Laune. Im Grunde gehen Blackwater Holylight den eingeschlagenen Weg weiter, lassen wenig von der sie vermehrt umgebenen Sonne bemerken und haben zugleich Hooks in Hülle und Fülle im Gepäck. Das Spiel der Gezeiten läuft zur Höchstform auf, schätzt Sludge-Pop ebenso wie noisigen Shoegaze und unerwartete Eruptionen. Mal hart und schroff, dann wieder zart und liebkosend, doch stets unbequem in seiner zöglichen Suche nach einer neuen inneren Mitte: „Not Here Not Gone“ überfordert und nimmt dabei herzlich in den Arm – eine magische Erfahrung von einem Album, ein beklemmendes und unverzichtbares Happening.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Suicide Squeeze Records (Cargo Records)
Bandcamp: blackwaterholylight.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/blackwaterholylight


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