Only Human – Planned Obsolescence

| 26. März 2026 | 0 Comments
Only Human

(c) Nikolaj Bransholm

Herzlich willkommen in der Technokratie, wo nicht nur die Technik und Gadgets, sondern auch die Menschen zu Wegwerfprodukten werden. Only Human – der Name stammt aus einer zentralen Szene des ersten Matrix-Films – befassen sich mit zumindest apokalyptisch angehauchten Zukunftsvision. Die Wurzeln des dänischen Quintetts reichen ins Jahr 2022 zurück, zwei Jahre später war das Line-up vollständig und die Arbeiten am ersten Album nahmen Fahrt auf. „Planned Obsolescence“ steht mit beiden Beinen fest auf progressivem Boden und lebt die vielfältigen Ansätze des Genres mit Wonne aus.

Tracks wie „Techno Fascist“ machen bereits im Titel klar, wohin die Reise führt bzw. wo sie bereits längst angelangt scheint. Dabei legt der Sechsminüter vergleichsweise schüchtern los, setzt erst einmal auf intensive Atmosphäre und zarten Aufbau mit synthetischer Untermalung. Die ruhige Klänge täuschen jedoch, denn mehr und mehr schleicht sich stoische Härte ein, Prog-Death-Anleihen und Extreme-Metal-Schlagseite, die mit filigraner Gitarrenarbeit und einem gewissen Verständnis für melancholischen Neo Prog kollidiert. Wer die etwas nachdenklicheren, betont melodischen Only Human mag, wird auch in „The Sun And The Moon“ fündig, das gemächlich anrollt und trotz einiger Screams im Schlussteil stellenweise fast meditativ, in sich ruhend wirkt.

Im abschließenden „Breach“ geht das Quintett gänzlich aus sich heraus, mit Djent-artigen Wänden, wütenden Screams und Growls, einer Prise Nu Metal zum Drüberstreuen und atemlosen, stakkatoartigen Attacken. Dass dabei höchster technischer Anspruch gewahrt wird, passt ebenso ins Bild wie die feine Klinge, die „Drift“ am anderen Albumende bemüht. Auf eine fragile, fast introvertierte Hälfte folgt die wütende, rasende Eskalation. Derber Townsend-Druck, überdrehte Soloarbeit und die Rückkehr zur feinsinnigen Gesangsmelodie kommen ähnlich gut wie „Steep Descent“. Der monumentale Gigant pendelt fast durchgehend zwischen den Extremen, schüttelt magische hymnische Momente aus dem Ärmel und langt ein aufs andere Mal beherzt zu.

Dass hier so unterschiedliche Bands wie TesseracT, Haken und Textures Paten standen, lässt sich nicht überhören. Only Human mögen es komplex und hymnisch zugleich, zwischen mehreren Schulen, Rock und Metal, melodisch und extrem angesiedelt. Zudem haben sie mit Patrick Grønbæch Christensen einen exzellenten, vielseitigen Sänger, der ohne Frage zu den Meistern seines Fachs zählt. Die utopisch angehauchten und doch sehr realistischen, stark in der (Beinahe-)Gegenwart verhafteten Themen und Texte sind der passende Bonus. „Planned Obsolences“ berührt und verstört auf allen Ebenen, stimuliert die Denkmurmel und überzeugt musikalisch sowieso. Mit Only Human könnte ein neuer Stern am Prog-Himmel aufgehen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Season of Mist (SPV)

Website: onlyhuman.band
Facebook: www.facebook.com/OnlyHumanDK

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Category: Magazin, Reviews

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