Growth – Under The Under

(c) Growth / Wild Thing Records
Eine beabsichtigte und zugleich hochgradig notwendige Pause von über fünf Jahren liegt hinter Growth. Ende 2020 veröffentlichten die Australier den ersten Teil einer Trilogie, die sich mit einer signifikanten psychologischen Erkrankung, dem absoluten Tiefpunkt und der Zeit danach befasste. Letztere setzt nun ein, denn ein alles anderer als sanfter Heilungsprozess beginnt. Der proggig-technische Death-Metal-Sound des Quintetts passt prima zu dieser chaotischen und schmerzvollen Phase, die brutalst herausfordert. „Under The Under“ beginnt die Neuorientierung.
Und die geschieht natürlich intensiv, in sechs überlangen Kapiteln. Der Opener „Remember Me As Fire“ geht mit gut fünfeinhalb Minuten noch als halbwegs radiofreundlich durch, zumindest hinsichtlich Spielzeit. Growth explodieren regelrecht aus den Boxen und lassen Höllenfeuer herabregnen. Urgewalt und zumindest schemenhafter Groove gehen Hand in Hand, eng verbunden und in aller durchdringender Brutalität doch schwer zu greifen. Das liegt mitunter am steten Auf und Ab dieses Tracks, an teils nervösen Zuckungen, höllischen Riffs und wütenden bis heiseren Vocals, welche die Seele zur Mördergrube erklären. Komplettes, kompromissloses Chaos mit einem dezenten roten Faden ist das unorthodoxe Ergebnis.
„Pain Is Never Far Away“ könnte die Überschrift dieses Albums sein – sowohl im Storytelling, in der Fortsetzung dieser Trilogie, aber auch in der aufbrausenden, sich gerne auf Raten entladenden Musik, die wieder und wieder brachial zuschlägt. Growth leben permanent auf der Rasiermesserklinge der Zurechnungsfähigkeit und lassen die Gezeiten der metallischen Extreme wieder und wieder auf sich zukommen. Das klingt mal nach Psycroptic, mal nach Entheos, stellenweise sogar nach aggressiven Gojira. Erstaunlich kauzige Gesangseinlagen (Red Rot lassen grüßen) und nahezu hoffnungslose Ansätze einer Melodie strecken das Ding zwischendurch und torpedieren sämtliche Sinne mit wachsender Begeisterung.
Tatsächlich ist das nur die Speerspitze einer Platte, die wieder und wieder durch die Decke geht, in ihrer Atemlosigkeit komplett überfordert und selbst in vorsichtig melodischen Momenten nicht den Hauch von Ruhe lässt. „Under The Under“ bewegt sich stets am Limit und passt sich somit auch musikalisch dem Weg zurück aus dem psychologischen Rock Bottom an. Der nächste Kollaps ist stets viel zu nahe, die Überforderung und Überlastung kommt ebenso in Wellen wie die Erinnerung an noch hässlichere Tage. Growth kultivieren exzellente Zerstörung auf allen Ebenen und lassen das Finale dieser Trilogie mit Spannung erwarten. Auch wenn die nächste kleinere Pause bis dahin mehr als verständlich wäre.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Wild Thing Records (SPV)
Facebook: www.facebook.com/growthnoise


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