Urne – Setting Fire To The Sky

(c) Andy Ford
Seit zwei Alben haben Urne Geheimtipp-Status im Groove- und Extreme-Prog-Umfeld inne. Das Trio aus London liebt komplexe, widerspenstige und doch harmoniebedürftige musikalische Herausforderungen. Eine solche stellen sie sich nun selbst und wollen mit ihrem neuesten Longplayer die Szene beleben, junge Fans motivieren, den Vorvätern Tribut zollen und zugleich kreativ höchste Höhen anstreben. „Setting Fire To The Sky“ nimmt sich verdammt viel vor und geht den sprichwörtlichen nächsten Schritt.
Im Begleittext werden Vergleiche zu „Battery“ (Metallica) und „Clenching The Fists Of Dissent“ (Machine Head) gezogen, wenn der Opener „Be Not Dismayed“ loslegt. Tatsächlich ist das gar nicht so weit hergeholt – noch ein wenig Trivium dazu, fertig ist der gigantische Opener. Dynamisch proggiger Thrash, gallige Sludgecore-Wut und feinsinnige Melodien decken so ziemlich das ganze musikalische Spektrum des Trios ab. Dass hier obendrein eine Lanze für den Metal-Nachwuchs gebrochen wird, ist ebenso sympathisch wie das mal drückende, mal melancholische „The Ancient Horizon“ mit einem Gruß an die Wegbereiter eines kompletten Genres.
Vergleiche mit Mastodon begleiten Urne seit ihrer ersten EP. Passend dazu holten sie sich Troy Sanders für den Neunminüter „Harken The Waves“ ins Studio. Das erweist sich als Glücksgriff, denn dessen Part in diesem proggigen, vertrackten Mammut mit melodischem Edge kommt richtig gut. Wenn sich aus dem Nichts die Charakterstimme erhebt, in den Arm nimmt und letztlich der nächsten komplexen Fanfare Platz macht, ist alles eitel. Im kurzen, knackigen „The Spirit, Alive“ kotzen sich die Londoner hingegen aus, hauen aus dem nichts einen hymnischen Chorus raus und langen erneut samt Hardcore- und Metalcore-Kante zu.
Nichts hieran ist auch nur im Geringsten einfach und vorhersehbar, aber geht letztlich genau das auch in Ordnung. Urne setzen ihren hoffentlich unaufhaltsamen Aufstieg weiter fort, klingen direkter und unmittelbarer, proggiger und komplexer, melodischer und extremer denn je. Inmitten elementarer, omnipräsenter Gegensätze blüht dieser Longplayer mehr und mehr auf, denn hinter den anspruchsvollen, gelegentlich widerspenstigen Arrangements verbergen sich verdammt clevere Ideen, knackige Riffs, feine Hooks und ein Händchen für charmante Herausforderungen mit Herz und Stil. Schon jetzt erinnern Urne positiv an einige der größten und populärsten Metalbands der letzten 40 Jahre. Bis zum ganz großen Überalbum ist es in dieser Form wohl nur eine Frage der Zeit.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Spinefarm Records
Website: urneofficial.com
Facebook: www.facebook.com/urneband
Slider-Pic (c) Andy Ford


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