Higher Power – There’s Love In The World If You Want It

(c) Nat Wood
Das Überraschungsalbum – ein Kunstgriff, der Aufmerksamkeit schafft und tatsächlich noch so etwas wie einen Wow-Effekt in oft monate-, teils sogar jahrelange Release-Zyklen bringt. Exakt das wagten Higher Power aus Leeds mit ihrem dritten Studiowerk. Der Vorgänger war im Jänner 2020 erschienen, in einer ganz anderen Zeit, die den überrumpelnden und doch feinsinnigen Hardcore Punk mit Metal-Einschlag dringend brauchte. Nun will also „There’s Love In The World If You Want It“ verknuspert werden, digital bereits erhältlich und physisch für den 19. September angekündigt.
Stillstand wäre nach der vergleichsweise langen Albumpause fatal gewesen. Das weiß auch das britische Quartett und wagt sich angenehm weit hinaus. Bestes Beispiel dafür ist das Finale „My Sweet Surrender“, das sich irgendwo zwischen Alternative Rock, Post-Hardcore und Shoegaze bewegt und damit an die ruhigeren Momente der Deftones erinnert. Ein gefühlvoller, überlanger Song mit aller gebotener Wucht, dichter Atmosphäre und Jimmy Wizards bislang wohl bester Gesangsperformance ist das eindrucksvolle Ergebnis. Die Kraft liegt gerne mal in der Ruhe, siehe und höre unter anderem „Lunar Tuesday“. Zwar dürfen hier kleine Muskelspielereien und Druckwellen nicht fehlen, jedoch mit einem Überangebot an Melodien und sogar einem kleinen Gitarrensolo gekonnt verbunden.
Stark ist auch „All The Rage“, das sich deutlich mehr Hardcore- und Metal-Elan behalten konnte, jedoch mit mehr Hooks und Schwere vermengt – ein kleiner Spagat für Post-Jünger, der sogar so etwas wie einen echten, hymnischen Refrain ausspuckt, während ringsum willkommenes Chaos regiert. Im weit vorab ausgekoppelten „Absolute Bloom“ wird das um zahlreiche Ecken und Kanten ergänzt – eingängig, ja, aber eben auch richtig schön heavy. „Kaleidoscope“ versucht den Brückenschlag zwischen den verschiedenen Welten, kann ebenso laut und erbarmungslos wie melodisch und schwerfällig. Hinter diesem Klangwall verbirgt sich ein kleiner Rohdiamant.
Und davon hat dieses dritte Album jede Menge zu bieten, nicht immer ganz einfach und doch einfach schön. Ihre Hardcore- und Punk-Wurzeln begraben Higher Power keinesfalls, rücken bloß Rock- und Metal-Elemente, das Post-Präfix, Melodien und Heavyness auf andere Weise in den Mittelpunkt. „There’s Love In The World If You Want It“ sucht und findet Liebe, getrieben vom ewigen Streben nach innerem Frieden, und punkt vor allem durch Wucht. Higher Power erdrücken geradezu mit ihrem Sound und finden doch den nötigen Freiraum für feinsinnige, lebendige, bezaubernde Details. Und beißende Härte, dem Abriss nahe, seltener und doch weiterhin wichtig. Dieser sprichwörtliche Schritt tut dem UK-Quartett und ihrem Publikum richtig gut.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 27.06.2025
Erhältlich über: Nuclear Blast Records
Facebook: www.facebook.com/higherpowerleeds


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