Hebi Katana – Imperfection

| 21. Juli 2025 | 0 Comments
Hebi Katana

(c) Hiromi Furukawa

Doomiger Rock trifft philosophische Gedankenspiele – das klingt erst einmal bizarr, macht in den Händen von Hebi Katana aber Sinn. Das japanische Trio veröffentlichte drei Alben binnen drei Jahren und etablierte sich in der Heimat als neue Meister für abgehangene Riffs und bleierne Schwere. Mit ihrem vierten Streich landen sie bei Ripple Music und präsentieren sich einem größeren Publikum. Ganz dem Albumtitel entsprechend, widmet sich „Imperfection“ dem ästhetisch-philosophischen Konzept des Wabi-San, einer Art Kunst des Unperfekten, und der Erleuchtung gemäß dem Ensō-Symbol aus dem Zen-Buddhismus. Noch Fragen?

Antworten werden überbewertet, nicht aber die bekömmliche Schwere von „Dead Horse Requiem“, die in aller Gemächlichkeit tödliche Schwingen ausbreitet und 70s-Proto-Metal mit Doom vermengt, begleitet von hellen und zugleich intensiven Vocals. Das kompakte, drückende Zusammenspiel definiert sich über Volumen und giftige Riffs, massiv und schwerfällig intoniert. Die kleine Tempo-Verschärfung in der zweiten Hälfte macht Laune. Hektischer gibt sich nur der kurze, überraschend angepunkte Opener „Bon Nou“ – ein kleiner Ausreißer mit Thrash-Appeal, das den Japanern jedoch gut zu Gesicht steht.

Das launige, ellenlange „Blood Spirit Rising“ geht ebenso gerne forscher zu Werk, jedoch in süffige Stoner-Doom-Riffs gekleidet. Ordentlich Drive und bleierne Schwere werden mittendrin von einem ausgedehnten Break mit psychedelischer Note abgelöst – sehr kurios und spannend zugleich. Die klaustrophobe Melodik von „Yume wa Kareno“ mit seinen zahlreichen kleinen Wendungen und fast proggigen Auswüchsen zwischendurch sprengt den Rahmen im besten Sinne, findet zwischenzeitlich zu klassischem Hard Rock und lebt doch von seiner emotionalen Schwere. Zur Auflockerung wird „Praise The Shadows“ gereicht, das exakt so schattig klingt, wie es der Titel vermuten lässt, jedoch mit ordentlich Schmackes im Unterbau.

Hebi Katana machen keinerlei Hehl um ihre mächtige, schwerfällige Inspiration aus den 60ern, 70ern und 80ern, würzen diese mit ungewöhnlich philosophisch-ästhetischen Konzepten und schicken, ganz nebenbei, mächtige Riffs ins Rennen. Gewiss ist „Imperfection“ nicht perfekt, das würde sich auch irgendwie verkehrt anfühlen, ist auch Sinn der Sache. Was es ist: richtig gut. Hier wird mutwillig ein feuchter Kehricht auf Konventionen gegeben, wenn plötzlich Prog-Parts, Stoner-Riffs und semi-balladeske Hard-Rock-Energie mit dem finsteren, drückenden Grundstock kollidiert. Das braucht etwas Anlauf, keine Frage, macht aber auch richtig Bock – eine spannende, ungewöhnliche Platte, die man nicht so leicht aus dem Kopf bekommt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.07.2025
Erhältlich über: Ripple Music (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/hebikatana

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Category: Magazin, Reviews

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