Karg – Marodeur

| 15. April 2025 | 0 Comments
Karg

(c) Aleksandar Kos

Für kleine Überraschungen waren Karg immer schon gut. Im Laufe der Jahre und Alben entwickelte sich das Soloprojekt mehr und mehr zum Kollektiv, erweiterte den eigenen Sound bewusst und blickt aktuell selbstbewusster denn je über den schwarzmetallischen Tellerrand. Und doch kehrt man, nach vergleichsweise experimentellen Ausflügen, zurück in vergleichsweise klassische Gefilde. „Marodeur“ ist das erste im Kollektiv geschriebene Werk und das insgesamt neunte Studioalbum, das sich wieder konzentrierter mit Post Black Metal befasst. Und doch hat das Quinett rein gar nichts an seiner mutigen, gerne mal herrlich abgedrehten Experimentierfreude eingebüßt.

Eine dieser Wahnsinntaten ist „Annapurna“, das schon mal wohlige Erinnerungen an Dornenreich weckt. Das liegt nicht zuletzt an Klara Bachmairs Violine (u.a. Firtan, Vinsta), die über weite Teile des Albums Präsenz zeigt und hier für das nötige Drama sorgt, während die Band mit wachsender Begeisterung durchstartet und das Geschehen schrittweise verdichtet. Wütende Sprints, heisere und intensive Vocals, dazu das klassische angehauchte und zugleich hochgradig melancholische Sägen – die perfekten Zutaten für einen Rausch der Gefühle, von höchsten Höhen und kapitaler Niedergeschlagenheit begleitet. Eine feine Zäsur zwischendurch kann das Geschehen weiter und konzentrierter verdichten, bevor erneut durchgestartet wird.

Die bleierne Schwere des eröffnenden „Schnee ist das Blut der Geister“ nebst Piano-Beitrag von Michael Eder, Gast-Vocals von Perchta und geknickter Niedergeschlagenheit erinnert hingegen ein wenig an die Post-Punk-Ansätze der letzten Karg-Platte. Zwar taucht man zu keiner Zeit derlei stark in solche Gefilde ein, doch kann das getragene Tempo nebst beklemmender Präsentation ebenso zupacken wie das erst zögerliche, dann explosive „Kimm“. Grelles Flackern, wüste Irrlichter und erstaunlich epische Untertöne strapazieren Black Metal aufs Post-Äußerste. Während die Atmosphäre zum Zerreißen gespannt ist, wird J.J. noch heiserer, lässt das lyrische Herz bluten und predigt mit wachsender Begeisterung in die endlose Nacht.

Tatsächlich wieder einen Tacken härter und schwarzmetallischer, ohne dabei die experimentell angehauchte Besonderheit ihrer Musik ad acta zu legen: Karg haben hörbar keine Lust, alles über den Haufen zu werfen, kehren aber aktiv zurück zu wütenderen Klängen, die ihnen gut zu Gesichte stehen. „Marodeur“ lebt von seiner intensiven Atmosphäre und knisternden Spannung, markiert einen Rückgriff auf die eigenen Wurzeln und hat doch keinesfalls vor, neuere musikalische Errungenschaften zu ignorieren. Das Ergebnis serviert Karg in Bestform und wirbelt das Seelenleben einmal mehr mit wachsender Begeisterung auf.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.04.2025
Erhältlich über: AOP Records (Edel)

Facebook: www.facebook.com/kargband

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Category: Local Bands, Magazin, Reviews

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