Winterhorde – Neptunian

| 8. Dezember 2023 | 0 Comments
Winterhorde

(c) Winterhorde

Nach siebeneinhalb langen Jahren machen die Israelis Winterhorde wieder musikalisch von sich reden – und das in einer Zeit, in der positive Nachrichten aus ihrer Heimat sehr, sehr dringend benötigt werden. Ihr Sound hat mit Hoffnung allerdings herzlich wenig zu tun, denn das abermals neu aufgestellte Septett bleibt der anspruchsvollen Düsternis treu. Melodischer Black Metal, gerne progressiv und komplex ausgelegt, dominiert selbstverständlich auch das wuchtige, hypnotisierende „Neptunian“.

Im Herzen des Albums lauert das Epos „Alone In The Ocean“, für Winterhorde eine echte Kampfansage. Tatsächlich gelingt es ihnen, neun hochspannende, vielschichtige Minuten zu gestalten, die beherzt zulangen und beißenden Black Metal mit Prog-Elementen und Folklore vermengen. Speziell Yoni „Oblivion“ Oren, der für den Klargesang verantwortlich ist, kann sich in diesem Monolithen auszeichnen. Er erinnert an eine andere prominente israelische Stimme: Kobi Farhi von Orphaned Land, der in „Angels In Disguise“ mitmischt. Dieser furiose Husarenritt schrabut schwarzmetallische Anteile deutlich nach oben und fällt mit der Tür ins Haus – ein drückendes, wiederholt explodierendes Stück Musik der besonders feinen Art.

Mit dem überaus umtriebigen Davidavi Dolev (u. a. Subterranean Masquerade) hat sich ein zweiter Gast auf dieses Album verirrt. „A Harvester Of Storm“ wird zum wiederholt explodierenden Siegeszug mit hymnischem Hauptteil. Hinsichtlich Dramaturgie wird hier beherzt zugelangt. Dafür begibt sich der Quasi-Titelsong „Neptunian (As Trident Strikes The Ice)“ auf deutlich rauere Pfade. Wiewohl der Klargesang erneut stark ausfällt, sind es die Growls von Zed Destructive, der hier seinen großen Auftritt hat, die nicht loslassen. Ähnliches gilt für den Rausschmeißer „With Bare Hands Against The Storm“, dessen unbequemes Auftreten immer wieder gen Midtempo abdriftet und sich dem Chaos verschreibt.

Was sich auf den letzten Alben noch mit kleineren Kinderkrankheiten herumschlug, geht nun endlich auf: Winterhorde haben die richtige Mischung gefunden und kosten die Früchte ihres Erfolgs vollkommen verdient aus. Furioser Black Metal, knisternde Melodik, dicke Hymnen und ordentlich progressiver Anspruch finden endgültig zueinander. Zwei bärenstarke Stimmen und nicht minder gute Gäste, dazu mitreißendes Songwriting und rohe, zerstörerische Energie – „Neptunian“ hat das gewisse Etwas und krallt sich beherzt fest. Winterhorde präsentieren nach über zwei Jahrzehnten im Geschäft ihr bislang bestes Werk und zeigen, dass ihre Geschichte noch sehr, sehr lange nicht auserzählt ist.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 08.12.2023
Erhältlich über: Noble Demon

Facebook: www.facebook.com/winterhorde

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Category: Magazin, Reviews

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