Soonago – Fathom

| 23. März 2022 | 0 Comments
Soonago

(c) Jasmin Teutrine

Begeisterung: Bielefeld existiert. Einer der Hauptgründe für diese Begeisterung hört auf den Namen Soonago. Das Quartett verschreibt sich Post Rock der rein instrumentalen Sorte und hat dennoch viel zu sagen. Ihr erstes Album „Nephele“ öffnete Türen, mit einem von Magnus Lindberg (Cult Of Luna) neu gemischten Track landete man auf einem Label-Sampler von Kapitän Platte. Dort erscheint nun das zweite Studiowerk – komplett von Lindberg gemastert. „Fathom“ könnte für Soonago das verdiente Sprungbrett sein.

Soonago singen zwar nicht, sind aber eine wichtige Stimme gegen Rechts. Die Samples im abschließenden „Fathom“ sprechen eine deutliche Sprache. Doch auch das Arrangement an sich ist ein Happening, ein dramaturgischer Kunstgriff, der gerne mal die klassischen Post-Rock-Gefilde verlässt und in etwas härtere Ecken eintaucht. Für die Bielefelder ist das keinesfalls neu, wird auf dem zweiten Album aber noch konsequenter gelebt. Der stetig umherwogende Track mit Urgewalt und bedrückenden wie bewegenden Zitaten lebt von seinem steten Wechselspiel, von der Suche nach der perfekten Auflösung.

Ein weiteres Erlebnis ist „Besa“, nicht nur aufgrund der stattlichen Länge von 13 Minuten. Hier starten Soonago gefühlt in media res, halten die Schlagzahl von der ersten Minute hoch und zeigen sogleich eindrucksvoll, was die vier Musiker können. Im ersten Abschnitt zeigt sich gerade die Rhythmusabteilung von der besten Seite, vermengt Präzision mit Schwere und steht doch über den Dingen. Ein ellenlanges, filigranes Zwischenspiel ebnet schließlich den Weg für den nächsten großen Aha-Moment. Wie das Cello aus dem Nichts auftaucht und seine inhärente Melancholie mit zunehmender Härte und Geschwindigkeit – der Schlussakt spielt sogar kurz mit Post-Black-Metal-Stilisierung – paart, beeindruckt zutiefst.

„Fathom“ lebt narrative Kunst in seinen gerade mal vier Kapiteln 42 Minuten lang vor. Jeder Track darf sich fokussiert, konzentriert ausbreiten und aufbauen, zeugt von erstaunlichem Feingefühl und hat trotzdem etwas zu sagen, oft deutlicher als gedacht oder erwartet. So sprengen Soonago etwaige Post-Rock-Erwartungen mit Methode und wachsen auf durchaus metallische Weise über sich hinaus. Das neue Umfeld tut den Bielefeldern hörbar gut, das epische Kunsthandwerk reift immer weiter – ein mehr als gelungener Zweitling, der nicht nur Fans früher Long Distance Calling unterhalten dürfte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.03.2022
Erhältlich über: Kapitän Platte (Cargo Records)

Website: www.soonago.de
Facebook: www.facebook.com/soonago

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Category: Magazin, Reviews

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