InTechnicolour – Big Sleeper

| 18. Februar 2020 | 0 Comments
InTechnicolour

(c) Big Scary Monsters

Wenn sie nicht gerade mit ihren diversen anderen Schauplätzen wie Delta Sleep, Broker und LUO unterwegs sind, spielen InTechnicolour feisten, erwachsenen Stoner Rock, der schon mal über den Tellerrand linst. Die vier Briten bringen einiges an Lebenserfahrung mit und ließen sich mehrere Jahre Zeit, um verschiedene Demos und Ideen zu einem Studioalbum zusammenzutragen. Nun trumpft „Big Sleeper“ allerdings groß auf mit einer etwas anderen Liebeserklärung an die Wüste.

Die Beobachtungen des Quartetts heben sich gewiss etwas vom Rest des Feldes ab. So befasst sich „Doomer“ mit dem Älterwerden, mit knapper werdener Zeit, auch wenn die Herren vom Altenteil nun wirklich noch Jahrzehnte entfernt sind. Gut abgehangene Riffs, angenehme Schwere und Eingängigkeit mit dem gewissen Kick geben sich die Klinke in die Hand. „Miami Funk“ eröffnet mit weder noch, setzt dafür auf eine Abhandlung über eigenwillige Trends bei Dokumentarfilmen. Ja, wirklich. Der bärbeißige Track nimmt eine kräftige Portion Baroness mit, zeigt sich explosiv und lässt das Schlagzeug förmlich wirbeln.

An „Tortoise“ werden sich wohl die Geister scheiden. Kurz vor dem Finale bäumt sich dieser mächtige Zehnminüter auf, spielt mit psychedelischer Gemächlichkeit, mit Transistor-Partys, mit eindrucksvollem Minimalismus und brachliegenden Harmonien. Americana-artige Riffs und das gekonnte Meditieren über einem simplen Motiv unterhalten. Der zweite Gigant, „Gallon Man“, kommt deutlich schneller ins Ziel und legt mit seinem voluminösen Auftreten sogar dezente Kyuss-Energien frei. Was InTechnicolour aber am besten beherrschen, sind diese kurzen, etwas eigentümlichen Trcks zwischen Pop-Appeal, Desert-Riffing und Groove-Bounce. Gerade „Under The Sun“, aber auch „Crushed Ear“ brennen sich in bester Queens Of The Stone Age-Manier ein.

Keine leichte, wohl aber richtig unterhaltsame Kost: Oberflächlich tummelt sich rockige Radiofreundlichkeit auf „Big Sleeper“. Gräbt man sich erst etwas tiefer vor, legen InTechnicolour Packendes und Kurioses frei, darunter ellenlange Labyrinth-Strukturen, wuchtige Zuckungen und Riffs, die es sogar mit Gojira und Mastodon aufnehmen können. Vorsicht, die Suchtgefahr dieser Platte ist überaus hoch – in diesen großartigen Riffwänden und Melodiebögen lässt es sich leicht verlieren.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.02.2020
Erhältlich über: Big Scary Monsters (AL!VE)

Facebook: www.facebook.com/Intechnicolourband

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Category: Magazin, Reviews

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