Laster – Het Wassen Oog

| 4. April 2019 | 0 Comments
Laster

(c) Prophecy Productions

‚Obscure Dance Music‘, nennen Laster ihren Sound, und liegen damit nicht einmal so falsch. Das maskierte Trio aus den Niederlanden vermischt Black Metal mit avantgardistischen Sounds, begleitet von Post Rock, Shoegaze und sogar ein wenig Jazz Rock. Aufbereitet wird dieser Mix wie der Soundtrack zu einem beklemmenden, wiederholt eskalierenden Noir-Film. Klingt seltsam? Ist es auch, und so sollte man für „Het Wassen Oog“ ordentlich Geduld mitbringen. Es lohnt sich.

Was die Niederländer auf ihrem dritten Album fabrizieren, stellt vor so manche Herausforderung. „Zinsbetovering“ bringt ihren Wahnsinn in sieben Minuten prima auf den Punkt. Wüste, fauchende Vocals wecken vornehmlich schwarzmetallische Assoziationen, der musikalische Unterbau ist allerdings deutlich düsterer und verspielter – hier kommen die erwähnten Jazz-Rock-Elemente zu tragen. Natürlich bleibt es nicht bei diesem verspielten Bild, denn urplötzlich legen Laster einen imaginären Schalter um und setzen zum schwarzmetallischen Sprint an. Infernale Klangwälle explodieren minutenlang und verhallen schließlich, begleitet von beinahe meditativen Chören – ein angenehm kurioses Bild.

Das Trio singt aber auch richtig schön, wie „Haat & Bonhomie“ unter Beweis stellt. Nach einer rasanten ersten Minute stellt sich meditativer Dark Rock ein, das lyrische Herz blutet. Immer wieder ziehen wüste Black-Metal-Parts durch das Arrangement und akzentuieren damit die beinahe meditative Ruhe rundherum. „Vacuüm ≠ Behoud“ bewegt sich zumindest eine Halbzeit lang in klassischeren Post Black Metal-Gefilden, danach wird es proggig verspielt und anspruchsvoll mit unerwarteten Math-Einschüben. Schließlich kondensiert „Ondersteboven“ in 160 Sekunden den gesamten Blackened Jazz-Wahnsinn Lasters und verwirrt damit noch mehr.

Wohin Laster wollen, lässt sich nicht immer so genau sagen, und darin liegt letztlich auch ihr Reiz. „Het Wassen Oog“ ist eine Platte voller Widersprüche, voller Komplexitäten, unerwarteter Wendungen und richtig gutem Songwriting. Die Niederländer stellen das gängige Konzept von Post Black Metal vollends auf den Kopf und laden zur finsteren Jam-Sessions mit Offbeat und Noir-Charme ein. Freilich will man sich vorsichtig an Laster herantasten, denn einfach ist dieses Album nun wirklich nicht, wohl aber ohne Zweifel eine der interessantesten, ungewöhnlichsten und einzigartigsten Platten seit langer Zeit.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.04.2019
Erhältlich über: Prophecy Productions (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/lasterspraak

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Category: Magazin, Reviews

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