Ancestors – Suspended In Reflections

| 21. August 2018 | 0 Comments
Ancestors

(c) Pelagic Records

Manchmal merkt man erst, wie sehr man eine Band vermisst hat, wenn sie urplötzlich wieder am Radar auftaucht. Das gilt aktuell für Ancestors, deren letztes Album „In Dreams And Time“ über sechs Jahre auf dem Buckel hat. Zwischenzeitlich stellten sich die Herren aus Los Angeles neu auf, schrumpften zum Trio und nahmen sich richtig viel Zeit, um ihre fünfte Platte zu schreiben. „Suspended In Reflections“ hört man den langen Reifeprozess an – am proggig angehauchten Post Rock mit doomigen Untertönen änderte sich jedoch herzlich wenig.

Atemberaubende Schönheit und brachiale Intensität gehen auf diesem Mini-Comeback – darf man das so nennen? – Hand in Hand. Der Opener „Gone“ bohrt sich sogleich tief in beide Welten hinein mit luftigem Post Rock und schwerfälliger, doomig angehauchter Metal-Schlagseite. Das erinnert zuweilen schon mal an *shels, gerade in Verbindung mit dem gestenreichen, leidenschaftlichen Gesang. Growls und Screams braucht es nicht, stattdessen regiert melodische Schönheit, wenngleich ein wenig schräg inszeniert. So scheinen Ancestors gelegentlich ein wenig am Melodiebogen vorbeizuspielen, was ihren Tracks interessanterweise besonderen Reiz verleiht.

Fast noch größer gestaltet sich der Rausschmeißer. Am anderen Ende des Albums wächst „The Warm Glow“ immer weiter und weiter über sich hinaus. Nachdenkliches Kargland wird von Schockwellen verzerrter Gitarren erfasst, dazu kommen ähnlich intensive, beinahe schon lautmalerische Vocals. Tatsächlich bewegt sich Justin Maranga hier an der Grenze zum Geschrei, kriegt jedoch die Kurve und unterstreicht stattdessen die bezaubernde Schönheit der singenden Gitarren. Mit dem überlangen, leicht melancholischen Abgang tun sich Ancestors ebenfalls etwas Gutes; die invertierte Post-Rock-Formel wirkt frisch und mächtig.

Die lange Wartezeit macht sich bezahlt: „Suspended In Reflections“ erreicht beinahe die Ausnahmeklasse von „In Dreams And Time“. Einzig die psychedelischen Elemente wurden ein wenig zurückgeschraubt, dafür regiert rundherum majestätische Intensität und die ganz feine Klinge. Gerade Opener und Rausschmeißer fallen überlebensgroß aus, dazwischen schleichen sich bestenfalls kleinere Längen ein. Soll aber nicht weiter zum Problem werden, denn in punkto Kopfkino sind Ancestors so und so weiter vorne dabei.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.08.2018
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: ancestorsmusic.com
Facebook: www.facebook.com/ancestorsband

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Category: Magazin, Reviews

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