Ur – Grey Wanderer

| 24. November 2017 | 0 Comments
Ur

(c) Droneburg Records

Auf der Suche nach der Ursprünglichkeit des Lärms stürzen sich Ur aus Leipzig in die Untiefen doomiger, psychedelischer und bleiern-langsamer Metal-Sounds. Ihr mächtiges, selbstbetiteltes Debütalbum hat auch vier Jahre nach Release in Eigenregie keinerlei Staub angesetzt, der Sound wurde in weiterer Folge auf der Bühne perfektioniert. Nun steht der Nachfolger „Grey Wanderer“ in den Startlöchern – überdimensional, monumental, gelegentlich sogar fatal.

Vier überlange Monolithen mit Spielzeiten zwischen neun und dreizehn Minuten, spärlich eingesetzte Vocals und eine Langsamkeit, die gelegentlich sogar in Drone-Gefilde abtaucht – passend zum Namen der Plattenfirma, wenn man so will. „Shapeless Spine“, der Rausschmeißer, fällt ein wenig aus dem Rahmen und wirkt stellenweise wie ein post-metallisches Requiem. Auch hier werkeln Ur überaus heavy und präzise, lassen aber eben auch mehr Melodie und sogar dezente Hoffnungsschimmer in ihre vergleichsweise zurückhaltenden Gitarrenwände Einzug halten. Das überrascht zunächst vielleicht ein wenig, passt aber letztlich perfekt ins Bild, gerade mit den fiesen Growls kurz vor Schluss.

Der eröffnende Titelsong „Grey Wanderer“ ist da schon viel typischer für den Sound der Band. So unheimlich langsam, zäh, brachial und doch verkappt verspielt sind aktuell nur wenige Bands, gerade in diesem Sektor. Der katastrophale Wutausbruch in den letzten Minuten kommt dafür doppelt gut, gerade wenn sich ein paar vereinzelte Screams unter die wütenden Growls mischen. Zwischen der Maschinengewehr-Präsentation von „The Rift“ samt singendem Mittelteil und dem zähen, stellenweise sogar entfernt an Amenra erinnernden Trauermarsch „Bringer Of The Harvest“ lassen die Leipziger so und so nichts anbrennen.

Letztlich, wenn auch erst nach kurzer Aufwärmphase, ist „Grey Wanderer“ genau jenes Monstrum geworden, das man sich erhofft hatte. Unnachgiebige Attacken, bärbeißige Distortion und gekonnt eingesetzte Feinheiten in noch so dicken Riffwänden bekommen dem zweiten Album der Band überaus gut. Abgerundet durch post-metallische Synergien und dezente Hoffnungsschimmer, die sogleich von doomiger Zerstörungswut geplättet werden, gelingt Ur eine kleine Punktlandung für besonders nebelige, verhagelte Tage.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.11.2017
Erhältlich über: Droneburg Records (Broken Silence)

Facebook: www.facebook.com/ur.doom.band

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Category: Magazin, Reviews

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