Integrity – Howling, For The Nightmare Shall Consume

| 14. Juli 2017 | 0 Comments
Integrity

(c) Jimmy Hubbard

Kaum eine zweite Band erfand sich im Verlauf ihrer Karriere so oft neu und überschritt so viele musikalische Grenzen wie Integrity. Ein Jahr vor ihrem 30. Geburtstag steht die Hardcore-Institution nun bei Relapse Records unter Vertrag und lässt keinerlei Altersmilde erkennen. „Howling, For The Nightmare Shall Consume“ befasst sich mit den letzten Tagen auf Erden vor dem Weltuntergang und wildert zwischendurch sogar in teuflischen 80s-Metal-Gefilden.

Von derlei wahnwitzigen Crossover-Anflügen ist anfangs noch wenig zu erkennen. Zwar erinnert das Intro von „Fallen To Destroy / Blood Sermon“ ein wenig an klassisch metallische Saitenhexerei, doch urplötzlich legen Integrity den sprichwörtlichen Schalter um und sprinten voran. Hohes Tempo, Dwid Hellions wütende Shouts und komplexe Gitarrenarbeit treiben den Vierminüter voran. Dass es zum Ende hin wieder ein wenig klassischer wird, passt ins Bild.

Es geht aber auch anders: „Die With Your Boots On“ zollt Lemmy Tribut und verneigt sich tief vor dem Motörhead’schen Erbe mit einem dreckigen Punk’n’Roller samt Core-Schlagseite. An „String Up My Teeth“ dürften sich hingegen die Geister scheiden. Was ordentlich losrockt mit dezenter Sludge-Seite, lässt im Refrain Sleaze und kuriose Backing Vocals zu. Mötley Crüe lassen grüßen, warum auch immer. „Unholy Salvation Of Sabbatai Zevi“ wird ebenfalls zur kleinen Zerreißprobe, weil Integrity das Tempo rausnehmen und einen kaputten Doom-Bastard vom Stapel lassen. Brachiale Nackenbrecher Marke „I Am The Spell“ und „Burning Beneath The Devil’s Cross“ gleichen geschickt aus.

Geduld und Sitzfleisch werden zu wichtigen Begleitern. „Howling, For The Nightmare Shall Consume“ schlägt immer wieder neue, unerwartete Haken und stürzt sich tiefer und tiefer in apokalyptische Abgründe. Für Integrity heißt das aber nicht etwa mehr Noise und Chaos, sondern genau das Gegenteil. Anfangs durchaus anstrengend, entwickelt das bereits zwölfte Studioalbum von Hellion und Teilzeit-Gefolge eine gewisse Eigendynamik, fügt sich nach und nach zur faszinierenden Einheit zusammen, weist künstlerisch wertvolle Seiten auf. Es knallt, schleicht, brennt sich in die Gehörgänge ein und gräbt sich schließlich wieder samt Spitzhacke aus – eine herrlich andere, unerwartete Erfahrung.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 14.07.2017
Erhältlich über: Relapse Records (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/INTEGRITY.HT

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Category: Magazin, Reviews

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