Ex Eye – Ex Eye

| 20. Juni 2017 | 0 Comments
Ex Eye

(c) Scott Irvine

Musikalische Grenzen sind dazu da, durchbrochen, ja geradezu pulverisiert zu werden. Ex Eye können ein Lied davon singen. Wobei, Gesang findet bei diesem Quartett um Avantgarde-Edel-Saxophonist Colin Stetson und Liturgy-Drummer Greg Fox keinen Platz. Ihr Sound spielt sich irgendwo zwischen Progressive Metal, Jazz, Fusion und Avantgarde ab, die Songtitel sind mindestens so komplex wie die Arrangements dahinter. Schlicht „Ex Eye“ betitelt, steht nun der erste spektakuläre Nackenschlag ins Haus.

„Über Musik zu reden, ist wie über Architektur zu tanzen“ – selten traf Frank Zappas legendäres Zitat so punktgenau zu wie bei dieser Platte. Wo soll man hier anfangen? Etwas unter 37 Minuten Spielzeit saugen förmlich in ihren Bann. Vielleicht veranschaulicht „Opposition/Perhelion; The Coil“, mit zwölfeinhalb Minuten Spielzeit längster Track dieses Debüts, den Wahnsinn Ex Eyes am besten. Fox‘ variantenreiche Drumming und Stetsons martialisches Saxophonspiel bilden ein wildes, heftig zuckendes Fundament. Plötzliche Doublebass-Attacken treffen auf nachdenkliche King-Crimson-Zwischenspiele, nur um im nächsten Moment elektronisch untermalte, bedrohliche Seiten (oder doch Saiten?) aufzuziehen.

Das Album befindet sich in konstantem Fluss und erinnert stellenweise tatsächlich an Liturgy, wie im ellenlangen Mittelteil von „Anaitis Hymnal; The Arkose Disc“. Weltuntergangsstimmung trifft auf entrückte Samples und Höllendrumming. Die beiden kürzeren Nummern rundherum sind auch nicht unbedingt entspannter. Wiederholt stellen Ex Eye vor beträchtliche Herausforderungen. Einfach ist an diesem eponymen Debüt nichts. Am besten mit Kopfhörern und Airdrums erlebt, tragen die einzelnen Kapitel der in sich bereits widersprüchlichen Songs in stets neue Richtungen, lassen clevere Details am laufenden Band erkennen.

Wie nähert man sich also einem Werk wie „Ex Eye“? Mit ein wenig Mut zum Wahnsinn, gekonntem Fatalismus und weit offenen Ohren. Die hektische Grundstimmung, die stete Betriebsamkeit machen anfangs nervös, ergeben mit fortlaufender Spieldauer jedoch Sinn. Feinsinnige, durchaus melodische Momente zwischendurch – das Auge des Sturms – entlohnen für harte Arbeit. Irgendwann wippt man mit, ahmt kuriose Drumpatterns nach, verliebt sich sogar ins Saxophon. Anstrengend aber lohnenswert – ein kleiner Monolith mit großem Potential.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.06.2017
Erhältlich über: Relapse Records (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/ExEye/

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Category: Magazin, Reviews

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