Phantom Winter – CVLT

| 22. April 2015 | 0 Comments
Phantom Winter

(c) Golden Antenna Records

Nach dem Release von „Karpatia“ war bei den Würzburger Doom- / Sludge-Hopefuls Omega Massif die Luft raus, kurze Zeit später trennten sich die Wege. Gitarrist Andreas Schmittfull und Schlagzeuger Christof Rath schrieben weiterhin gemeinsam Musik und rekrutierten Martin Achter (Bass) und Christian Krank (Vocals) für das Nachfolgeprojekt Phantom Winter. Das Debütalbum „CVLT“ spielt ein wenig mit den Karglandschaften der Vorgängerband, ersetzt angedeutete Schönheit aber durch Brachialgewalt und nennt das resultierende Klangbild ‚Winterdoom‘.

Es ist ein besonders harter, unwirtlicher Winter, den Phantom Winter auf diesen ersten 41 Minuten ihrer Karriere vertonen. Laut, wuchtig und dissonant dröhnen die fünf Songs aus den Boxen, über weite Strecken ein Lehrstück in punkto Klangattacke. „Corpses Collide“ gibt sich dabei noch verhältnismäßig dynamisch mit der singenden Gitarre in den monolithischen ersten Minuten. Kranks Vocals werden wie ein zusätzliches Instrument eingesetzt, vornehmlich als gar jenseitiges, mit viel Hall belegtes Kreischen, das selbst gestandene Schwarzmetaller in Ehrfurcht erzittern lässt. Noch reizvoller ist allerdings das klaustrophobe Zwischenspiel zur Songmitte mit gespenstisch angeschlagenem Klavier.

In dieser Gangart geht es weiter; die Tracks werden kontinuierlich länger, die Angriffe ausgedehnt, die Lautstärke erhöht. Wer wohl zuerst kapituliert – Lautsprecher oder Mensch? „Avalanche Cities“ ist das Paradestück dieses Albums mit seinem endlos wirkenden Riffing, kehligem Gurgeln als solides Fundament, auf das Krank erneut gegen Graupelschauer keift. Kurze Breakdowns mit melodischen Elementen werden nach kürzester Zeit im Keim erstickt oder verschwinden in behäbigen Fade-outs, dem Nichts entgegensteuernd.

Nein, „CVLT“ ist wahrlich keine Platte für Schöngeister oder Gelegenheitshörer. Phantom Winter reihen Nackenschlag an Nackenschlag mit beneidenswerter Präzision, tiefenreinigender Wut und atemberaubend hässlichen Black Metal-Wänden, die das an sich bereits düstere Geschehen entsprechend befeuern, forcieren und kalt brennen lassen. Keine bloße Verwaltung des Omega Massif-Erbes, keine komplette Abkehr, sondern ein aufregender Mittelweg mit seelisch belastenden Begleiterscheinungen – ein Debütalbum wie ein zentrifugales Schleudertrauma.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.04.2015
Erhätlich über: Golden Antenna Records (Broken Silence)

Facebook: www.facebook.com/wintercvlt

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Category: Magazin, Reviews

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