Voices – London

| 12. Dezember 2014 | 0 Comments
Voices

(c) Al Overdrive

Auch nach Auflösung bleiben die Mitglieder von Akercocke höchst aktiv. Ein Teil der Briten gründete Voices, die nun bereits ihr zweites Album voller Extreme veröffentlichen. „London“ ist ein Konzeptwerk über eben jene Stadt, die als alles verschlingender, deprimierender Koloss beschrieben wird, in dem man sich – bei aller Urbanität – gefangen fühlt. Wenig überraschend kämpfen diese 61 Minuten mit existentiellen Krisen, bizarren Figuren und einem musikalischen Mix, der sich am ehesten unter dem Banner ‚Extreme Metal‘ zusammenfassen lässt.

Gleich vorneweg: Wer Black und Death Metal mit Melodie und Progressivität sowie den genialen Wahnsinn Ihsahns nicht ausstehen kann, sollte nun besser aufhören zu lesen. Jazz-Metal gibt es auf „London“ zwar nicht, dafür verquere Düsternis satt. Der akustische Opener „Suicide Note“ bereitet sehr notdürftig auf den einstündigen Höllenritt zwischen Genie und Wahnsinn vor. „Music For The Recently Bereaved“ startet dafür in media res: hohes Tempo, Blackened Death-Kahlschlag mit dezenten Thrash-Untertönen und der Wechsel zwischen Growls und Falsett (!). Kurzer Bruch, Tempoverschärfung, Entspannung, Squeals, Groove, Chor, manische Melodie, Komplett-Breakdown, Doom-Slowjam, Begräbnisatmosphäre, klare Vocals, finstere Growls. In siebeneinhalb Minuten. Ohne Netz und doppelten Boden.

An einem von vielen Enden der Extremitätenskala steht „The Fuck Trance“, das kürzlich mit einem Video verstehen wurde. Die Mischung aus hohem Tempo und Hackschnitzel-Metal pendelt zwischen Math und Industrial, brennt wie ein Holzsplitter unter dem Fingernagel und treibt kalten Schweiß auf die Stirn. Eben jener Variantenreichtum ist die Stärke dieses Albums. So taucht im melodischen, hochgradig eingängigen Refrain des Prog-Death-Gummitwists von „The Ultimate Narcissist“ neben Klargesang für kurze Momente ein Trance-Piano auf, predigt „The Antidote“ zu Doom-Death-Aposteln, verliert sich „Vicarious Lover“ mehr und mehr in Highspeed-Akustik und Melancholie.

Mit Sicherheit ist „London“ kein Album, das man mal eben so nebenbei mitlaufen lässt für smarte Hintergrundunterhaltung. Voices fordern von der ersten bis zur letzten Sekunde volle Aufmerksamkeit – angesichts der Spieldauer und der Arrangements Hochleistungssport. Der Aufwand lohnt sich, denn immer wieder überraschen die Briten mit haarsträubenden 180-Grad-Drehungen, aus dem Ärmel geschüttelten Verrücktheiten und großartigen, anspruchsvollen Melodien. Größer, widerspenstiger, komplexer, attraktiver geht es kaum, Sperrigkeit hin oder her.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 28.11.2014
Erhätlich über: Candlelight Records (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/voiceslondon

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Category: Magazin, Reviews

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