Dioramic – Supra

| 11. September 2014 | 0 Comments

Dioramic

Dieses Mal wollten Dioramic keine Zeit verlieren. So hatten es sich die deutschen Artcore-Spezialisten vorgenommen, so ist es letztlich nicht gekommen. Kurz nachdem man 2011 mit den Aufnahmen zum Nachfolger von „Technicolor“ begann, verließ Original-Schlagzeuger Anton Zaslavski die Band – als Dance-Produzent Zedd ist er seither weltweit Dauergast in den internationalen Hitlisten und konnte sogar einen Grammy einheimsen. Unter der Ägide von Paul Seidel (War From A Harlots Mouth, The Ocean) wurde „Supra“ schließlich eingespielt, durch eine Pledgemusic-Kampagne finanziert und erscheint nun via Pelagic Records – mehr als viereinhalb Jahre nach dem Release des Debüts.

An der musikalischen Grundausrichtung hat sich wenig geändert: Prog, Art Rock, Post Metal, Tech und Mathcore geben sich 43 Minuten lang die Klinke in die Hand. Eine der besten Zusammenfassungen des Geschehens bietet kurz vor Schluss „Logbook“, wenn zur Mitte hin mehrstimmige Männerchöre in herrlich überdrehter Muse-Manier auf dezenten Bombast-Pop und einen proggig-bärbeißigen Hybrid aus Meshuggah und Between The Buried And Me treffen; und das betrifft letztlich nur eine ca. 30 Sekunden lange Sequenz. Rundherum: klassische Dredg-Referenzen, Metalcore, Todesstahl und ein von Effektgeräten zerfressenes Breakdown.

Der Wahnsinn kennt kaum Grenzen, und das ist letztlich auch gut so. „Vortex Reflex“, einer der Single-Vorboten, atmet schwer, wenn es dreieinhalb Minuten lang sämtliche Vorzüge der britischen Modern-Prog-Szene auf einen überlebensgroßen Song vereint und dabei mehrfach explodiert. Solch verhältnismäßig reinrassige Genretracks sind jedoch eine Seltenheit. Viel typischer hingegen: „Carpets On The Fall“ oder „Big Pump“, waschechte Höllenritte, die von balladesker Emotionalität bis hin zu verkopftem Tech-Death alles zu bieten haben.

In dieser Bandbreite liegen Selling Point und Problematik von „Supra“ gleichermaßen begraben. Diesen nicht immer leicht nachvollziehbaren, bockigen Mix verschiedenster Einflüsse muss man sich erarbeiten, gerade weil – Pause hin oder her – der Überraschungseffekt von „Technicolor“ fehlt. Manche Übergänge wirken erzwungen, vielleicht sogar unsauber, strapazieren die musikalische Fantasie des Hörers zu sehr. Und doch haben Dioramic abermals eine herausragende, faszinierende, süchtig machende Platte aufgenommen, die in einem Song mehr Ideen vereint als manch andere Bands im Verlauf ihrer gesamten Karriere zu verwursten vermögen. Rotwein, Kopfhörer und geschlossene Augen sind Pflicht.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 12.09.2014
Erhätlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: www.dioramic.de
Facebook: www.facebook.com/dioramic

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Category: Magazin, Reviews

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