Interview mit Ole Christian Helstad von Tombstones

| 17. Oktober 2013 | 0 Comments

Tombstones

Zu viele Köche verderben den Brei? Nicht bei den Norwegern Tombstones, die für ihr neues Album „Red Skies And Dead Eyes“ mit gleich zwei Produzenten arbeiteten und nahtlos an die bleierne Schwere von „Year Of The Burial“ anknüpfen konnten. Nach einer ersten Gesprächsrunde vor anderthalb Jahren ließ sich Bassist und Sänger Ole Christian Helstad ein weiteres Mal nicht bitten. Helstad spricht über die Arbeit mit zwei Produzenten, luftigere Drums und hebt die Einzigartigkeit ihres Wien-Konzerts aus dem vergangenen Jahr hervor.

Als wir das letzte Mal unterhalten haben, habt ihr euch gerade auf die Veröffentlichung von "Year Of The Burial" auf eurem neuen Label gefreut. Rückblickend, wie zufrieden bist du mit dem Album und würdest du gerne etwas daran ändern können?

Danke, dass du dich wieder für Tombstones interessierst. Ja, wir waren froh wieder einmal etwas auf Vinyl zu veröffentlichen und Teil der Soulseller-Familie zu sein. Rückblickend sind wir mehr als zufrieden mit „Year Of The Burial“. Die meisten darauf enthaltenen Songs sind mittlerweile ein fixer Bestandteil unseres Livesets und es wird einfach nicht langweilig, sie zu spielen. Allerdings finden wir immer etwas, das man besser machen könnte. Ich weiß nicht, vielleicht hätten wir den Drums im finalen Mix mehr Platz, mehr „Luft“ geben sollen. Das sind aber nur kleine Details, wir lieben den Sound von „Year Of The Burial“.

Wann war für euch die Zeit gekommen, zurück ins Studio zu gehen?

Im November 2012 hat uns Vidar von Deathcrush (ex-Årabrot) darüber informiert, dass er im Frühjahr 2013 mit Billy Anderson in Norwegen aufnehmen würde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits ein paar neue Songs geschrieben, allerdings noch keine Pläne gehabt, diese aufzunehmen. Allerdings waren die Songs gut, und als wir hörten, dass Billy zurück nach Oslo kommen würde, haben wie die Gelegenheit beim Schopf gepackt und intensiv zu proben begonnen, um diese Ideen zu finalisieren und aufzupolieren. Für uns war das neu, denn normalerweise lassen wir uns Zeit, damit sich die Dinge in ihrer eigenen Geschwindigkeit entwickeln. Rückblickend war das jedoch eine erfolgreiche Arbeitsweise. So hatten wir einen großen Vorteil, als es ins Studio ging und wir bereit waren, diese Jams aufzunehmen. Die Songs fühlten sich nach wie vor frisch an, wir konnten diese Energie auf Platte einfangen. Wenn wir nun Konzerte geben, fühlen sich die Songs weiterhin recht neu für uns an, weswegen es doppelt Spaß macht, sie einem Live-Publikum zu präsentieren.

Ihr habt euch mit der Idee, jedem Instrument mehr Platz einzuräumen, ins Studio begeben. Wie habt ihr auf einer technischen Ebene versucht, dies zu erreichen, und ist euch das deiner Meinung nach geglückt?

Ja, ich denke, wir haben unser Ziel erreicht. Billy hat uns sicher dabei sehr geholfen, er ist großartig, was Schlagzeug-Aufnahmen betrifft. Petter Svee hat uns ebenfalls ein paar feine Tricks gezeigt, wir haben sicher öfter Re-Amping verwendet. Das Schlagzeug klang bei den Live-Aufnahmen voller. Wir haben uns stets auf die Drums konzentriert und versucht, den Gitarren- und Bass-Sound im Vergleich zu „Year Of The Burial“ ein wenig davon abzutrennen, ohne die brutalen Low-Ends zu verlieren.

Du hast es bereits angesprochen: Ihr habt mit Petter Svee gearbeitet, der euch mit "Year Of The Burial" geholfen hat, sowie Billy Anderson, der für "Volume II" verantwortlich war. Was hat euch dazu bewogen, mit beiden zusammenzuarbeiten - du hattest bei unserem letzten Gespräch bereits erwähnt, dass du erneut mit Billy arbeiten würdest - und wie ist es dazu gekommen?

Wir wussten, dass wir mit Petter am Nachfolger zu „Year Of The Burial“ arbeiten würden. Es war großartig mit ihm im Studio, wir haben uns gut verstanden, es gab keine Zweifel. Ebenso gefiel uns, was Billy zuletzt gemacht hatte. Als wir seine Produktion der neuen Amenra-Platte hörten, klappte uns die Kinnlade herunter. Wahrscheinlich ist das der beste Sound, den wir je auf einem Album gehört haben. Als sich die Möglichkeit bot, wieder mit ihm zu arbeiten, organisierten wir uns ein Studio, versicherten uns, dass Petter Zeit hatte, und begannen wie wahnsinnig zu proben.

Der Sound eures neuen Albums "Red Skies And Dead Eyes" ist sehr interessant. Einerseits folgt ihr der bleiernen Schwere von "Year Of The Burial", andererseits finden sich kleine Querverweise auf den Sound vor dieser Platte, sogar Spuren von Sludge und Stoner. Wie hat sich euer Sound deiner Meinung nach entwickelt und wo siehst du euch musikalisch momentan?

Gute Frage, tatsächlich etwas schwer zu beantworten. Wir haben stets gewisse Riffs von eigentlich vergrabenen Songs aus der Vergangenheit parat, die wir sehr gerne mögen, die wir irgendwo im Hinterkopf behalten. Manche dieser tendenziell nach Uptempo bzw. Stoner klingenden Riffs haben wir in einer neuen Umgebung reanimiert. Wenn wir hier und da ein wenig Tempo hinzunehmen, macht es die Heavy-Parts heavier, was live Spaß macht. „Year Of The Burial“ war ziemlich gereift, vielleicht hat „Red Skies And Dead Eyes“ mehr „Wohlfühl-Momente“. Ich weiß nicht. Die Energie im Studio war auch ein wenig anders, weil die Songs während den Aufnahmen komplettes Neuland für uns waren. Die Songs auf „Year Of The Burial“ hatten wir zuvor bereits ein oder zwei Jahre lang immer wieder gespielt. Unser neues Album zeigt sehr gut, wo wir uns momentan befinden. Es ist unser neuestes Material, wir haben auch im Proberaum aktuell nichts Neueres – bis jetzt. Mittlerweile ist es schwer geworden, eine Setlist zusammenstellen, weil wir beide Alben lieben.

Woher kommt der Albumtitel "Red Skies And Dead Eyes" und welche Bedeutung trägt er für euch?

Der Titel kommt von einem Song auf unserem Album und fühlt sich irgendwie cool an. Außerdem kann er in verschiedene Richtungen interpretiert werden. Glyn Smyth kannte den Titel, als er das Artwork gestaltete, also hängen Titel und Cover zusammen.

Kannst du mir ein wenig mehr über Glyn Smyths faszinierendes Artwork erzählen?

Das sind seine Eindrücke unseres Albums. Als er mit seiner Arbeit begann, hatte der die Musik und die Songtitel vorliegen, aber seinen genauen Gedankenprozess kenne ich nicht. Für mich passt es perfekt zusammen, es schlägt richtig ein. Außerdem unterscheidet sich dieses Artwork stark von seinen anderen Arbeiten, gerade was den roten Hintergrund betrifft, aber es fühlt sich so intensiv an und hebt sich von der Masse richtig ab.

Wie sieht es mit den Texten auf dieser Platte aus?

Bjørn (Viggo Godtland, Sänger und Gitarrist) und ich schreiben unsere eigenen Texte, da wir die Worte unserem jeweiligen Rhythmus anpassen müssen. Wir mögen zwar einen Titel haben, über den wir schreiben, aber zumeist ergibt sich die Bedeutung erst, wenn wir unsere Texte zusammenfügen (lacht). Wir haben, bedingt durch unsere Vergangenheit, die Tendenz über Leben und Tod sowie Verlust zu schreiben.

Für das Video zu "Red Skies And Dead Eyes" habt ihr euch einmal mehr in die Natur begeben, nachdem ihr den Clip zu "Unveiling" bereits in einem Wald in eurer Nähe gefilmt habt. Kannst du mir ein paar Einblicke zur Idee hinter diesem Video geben? Was hat euch dazu bewogen, einen Clip zum Titeltrack eures neuen Albums zu drehen?

Bjørn hat das Video gefilmt. Er war im Wald rund um die Gegend, wo er als Kind gewohnt hatte. Wir alle wuchsen im Wald auf und finden, dass es zu unserer Musik passt. Bäume sind toll! Es war schwer, sich auf einen Song zu einigen. Der Titeltrack ist das letzte Stück, das wir für dieses Album geschrieben haben und ich denke, es war jener Song, den wir damals am meisten herzeigen wollten. Es ist wichtig Videos auf Youtube zu haben, um sein Album zu promoten, und wir wollten mehr als bloß ein Bild von unserem Artwork.

Vergangenen Herbst habt ihr in Wien gespielt. Welche Erinnerungen hast du an das Konzert?

Wir liebten das Escape und hatten eine großartige Zeit in Wien. Jürgen (Schachinger, Escape Metalcorner) war ein herzlicher Gastgeber, alles war toll. Rückblickend war es eines der Highlights unserer Tour, wenn nicht sogar das Highlight. Gutes Publikum, großartiger Sound und eine fantastische Bar mit starker Musik. Außerdem lernten wir die Jungs von Torso und The Grand Astoria kennen, die wir im weiteren Tour-Verlauf wieder getroffen haben. Im Endeffekt hatten wir eine großartige Zeit, ein gutes Set gespielt, gutes Bier getrunken und neue Freunde gemacht. Was will man mehr?

Wird man euch hier wieder live zu Gesicht bekommen?

Ja, wir wollen im Frühjahr 2014 zurückkommen. Wir hoffen, dass es funktioniert, denn wir wollen unbedingt wieder hier spielen.

Wie sehen eure Pläne für die nächste Zeit aus?

Wir waren gerade auf einer viertägigen Releasetour durch Großbritannien. Eventuell spielen wir in ein paar Monaten noch einmal in Manchester. Dann gibt es ein Releasekonzert in Oslo und wir kommen im Februar nach Europa, wo wir unter anderem Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Schweiz und Belgien bespielen werden.

Die letzten Worte gehören dir:

Danke, dass du Tombstones unterstützt, und danke an all unsere österreichischen Fans. Hört in unser neues Album rein, dreht es live auf und kommt zu unseren Konzerten. Live sind wir am besten. Prost!

Danke für das Interview und alles Gute für die nächste Zeit.

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