Interview mit Barry Kerch von Shinedown

| 22. März 2012 | 0 Comments

Shinedown

Die Modern-Rocker Shinedown stehen wieder nervös in den Startlöchern. Beinahe drei Jahre nach ihrem Erfolgsalbum „The Sound Of Madness“ ist das Quartett aus Florida drauf und dran, ihren Eroberungszug mit ihrem neuesten Streich „Amaryllis“ fortzusetzen. Drummer und Gründungsmitglied Barry Kerch hat während den Vorbereitungen zur kommenden US-Tour eine kleine Pause eingelegt, um mit uns über Botanik, Schläger und die Grammys zu plauschen.

Wie geht es dir und der Band im Moment?

Uns geht es großartig. Ich bin gerade in Nashville und bereite mein Drumset für die kommende US-Tour vor, die Ende des Monats in Los Angeles startet. Unser Album kommt bald raus. Wir haben also keinen Grund uns zu beschweren.

"Amaryllis" hat fast drei Jahre auf sich warten lassen. Wann habt ihr mit den Arbeiten zur Platte eigentlich begonnen?

Ich glaube es war Ende Jänner im letzten Jahr. Wir haben wirklich lange im Rahmen von „The Sound Of Madness“ getourt. Das letzte Konzert dieser Tour spielten wir am 9. Dezember in New Orleans. Über die Weihnachtszeit haben wir uns frei genommen und im Jänner sofort mit dem Schreiben begonnen. Wir sind nicht besonders gut darin, Songs auf Tour zu schreiben. Zuhause fühlen wir uns um einiges wohler. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum so viel Zeit zwischen unseren Veröffentlichungen liegt. (lacht) Wenn wir auf Tour sind, dann konzentrieren wir uns nur auf die Shows. Wir bringen nicht die nötige Kreativität auf, um nebenbei noch an neuem Material zu arbeiten.

Nach "The Sound Of Madness" wirkt der Titel der neuen Platte verhältnismäßig zurückhaltend, beinahe harmlos. Was genau verbirgt sich hinter "Amaryllis"?

Wenn du die Bedeutung der „Amaryllis-Blume“ (dt. auch „Narzissenlilie“ oder „Ritterstern“) nachschlägst, wirst du sehen, dass es sich dabei um eine sehr starke Blume handelt. In unserem Kontext handelt es sich um eine Gattung, die in Südafrika gefunden wurde. Die Blume blüht mitten in der Wüste. Sie entsteht also aus dem Nichts. Ein anderer Name für „Amaryllis“ ist „Naked Lady“, daher ist auch eine Art Referenz an Frauen. Auch wenn der Titel schwach klingen mag, ist die Bedeutung sehr ausdrucksstark und kraftvoll. Auf eine Weise reflektiert diese Blume, die praktisch aus dem Nichts entsteht, auch unseren Bandnamen. „Amaryllis“ bezieht sich im weiteren Sinne auf uns als Band und darauf, wo wir uns gerade im Leben befinden. Wir lassen uns von nichts unterkriegen. Ich denke, der Titel passt einfach hervorragend.

Das Artwork von "Amaryllis" wartet mit zahlreichen kleinen Details auf. Kannst du uns etwas darüber erzählen?

Der Künstler heißt David Harrigan und arbeitet für Atlantic Records. Unsere ursprüngliche Idee war eine Art Abbildung von einem US-Dollar. Er hat diese Idee genommen und sie auf seine Weise verarbeitet. Wir haben nur zu ihm gesagt, dass er sich die Songs anhören und verschiedene Stellen aus den Songs ins Artwork einfließen lassen soll. Wir haben uns das so vorgestellt, dass sich die Kids während dem Hören der Platte das Cover ansehen und nach der Reihe verschiedene Elemente aus den Songs im Artwork wiederentdecken. Ich habe das in meiner Kindheit auch immer gemacht und wir wollten den Kids von heute auch dieses Gefühl geben.

Haltet ihr euch an eine spezielle Formel, wenn ihr an einem neuen Album arbeitet, oder probiert ihr immer wieder neue Dinge aus?

Es gibt keine Formel. Unsere Musik kommt von Herzen.  Wir wollen uns nicht wiederholen oder einen zweiten Teil von einem Album machen. Was wir allerdings versuchen, und was wohl auch die einzige Formel ist, an die wir uns halten, ist die bestmöglichen Songs zu schreiben. Wenn es nicht gut genug ist, kommt es in den Papierkorb. Wir wollen Songs schreiben, welche die Leute auch hören wollen, und welche auch im Radio oder im Fernsehen gespielt werden.

Wie würdest du die Unterschiede zu euren früheren Alben bezeichnen?

Ich denke, dass „Amaryllis“ definitiv besser als unsere Vorgänger ist. „The Sound Of Madness“ wurde vor vier bis fünf Jahren aufgenommen. Wir haben uns als Songwriter und als Musiker verändert und weiterentwickelt. Wir hoffen, dass wir uns in den vier Jahren in dem, was wir tun, merklich verbessert haben. Kurz gesagt: Ich denke, dass es wohl unser erwachsenstes Album ist.

Bedeutet das auch, dass sich eure Einflüsse verändert haben?

Ich denke unsere Kerneinflüsse werden immer vorhanden sein. Natürlich gibt es aber auch immer wieder neue Einflüsse. Wir sind Musikfans. Wir hören alles Mögliche. Wenn ein neues Album von einer Band, die wir mögen, erscheint, hören wie uns die Platte natürlich an. Dasselbe gilt für neue Künstler, auf die wir stoßen. Auf irgendeine Art und Weise reflektiert sich das auch in unserer Musik, egal ob gewollt oder nicht. Das hängt davon ab, was wir in dieser Zeit gerade hören.

Auf "Amaryllis" sind orchestrale Elemente wie Streicherpassagen wieder sehr präsent. War das von Anfang an geplant, oder habt ihr euch während den Aufnahmen entschieden vermehrt orchestrale Parts zu verwenden?

Ich würde sagen, ein bisschen von beidem. Uns war klar, dass wir wieder etwas an Orchestrierung verwenden wollten. Wir wussten nur nicht wie viel. Als die Songs dann nach und nach Form angenommen haben, machten wir uns Gedanken, welcher Song davon profitieren würde und welcher nicht. Unser Produzent hatte auch eine Menge damit zu tun. Er hört diese Dinge heraus und merkt, wann etwas mit bombastischen Streichern einfach besser klingt.

Eure erste Single "Bully" ist schon seit einer Weile erhältich. Hattet ihr persönlich auch schon mal mit Bullies und Schlägern zu tun?

Oh ja. Ich hatte damit als Kind oft zu tun. Ich war ziemlich schmächtig und daher ein leichtes Opfer für Schläger. Auch wenn du älter wirst, bekommst du das immer noch mit. Ich habe den Eindruck, dass in der Musikindustrie eine Menge Leute von anderen Mächten genötigt und eingeschüchtert werden. Ich spreche nicht von uns persönlich, aber man sieht immer wieder Manager oder Bandmitglieder, wie sie sich über andere Bandmitglieder das Maul zerreißen. Das passiert jeden Tag, auch am Arbeitsplatz. Ich denke jeder ist in irgendeiner Art und Weise davon betroffen, egal ob man selbst ein Bully ist/war oder von einem Bully gequält wird/wurde. Menschen im Allgemeinen neigen dazu stur und dickköpfig zu sein.

Nach "Bully" habt ihr nun auch ein zweites Video zum Song "Unity" gedreht. Kannst du mir etwas über das Konzept des Videos erzählen?

Es geht darum alle zu vereinigen, egal woher du stammst oder welche Hautfarbe du hast. Das Video vermittelt eine sehr positive Message, gerade mit dem kleinen Mädchen, das Fotos macht. Am Ende ergeben all diese Fotos ein großes Bild der beiden Hände, welche auch auf dem Albumcover zu finden sind. Wie gesagt, es hat damit zu tun, alle Menschen mit der Hilfe von Musik zu einem Volk zu vereinen, egal woher du kommst.

Kommen wir zu etwas anderem: Wie stehst du zu Award-Shows wie die Grammys?

Ich bin davon nicht so begeistert. Meiner Meinung nach gibt es dabei kein wahres Konzept. Dabei geht es ja nur um einen Haufen alter Leute, die über etwas abstimmen, wovon sie glauben, dass es cool ist, aber in Wirklichkeit keine Ahnung davon haben. Wahres Talent wird leider nicht berücksichtigt. Von den diesjährigen Grammys haben wir nicht viel mitbekommen, da wir zu dem Zeitpunkt gerade in Deutschland auf Tour waren.

Vielleicht habt ihr dennoch von der Ansprache von Dave Grohl von den Foo Fighters gehört, in welcher er sich über die aktuelle Entwicklung der Musikindustrie äußerte und meinte, dass es durch zunehmende elektronische Hilfsmittel heutiger Musik an Herz und Seele fehlt. Wie stehst du dazu?

Ich habe den allerhöchsten Respekt vor Dave und vor dem was er gesagt hat. Ich denke was er damit sagen wollte war: „Hört mal, wir wollten zurück zu unseren Wurzeln gehen, um zu zeigen, dass wir echte Musiker sind.“. Ich respektiere das, weil es eine Menge Bands gibt, die keine guten Musiker sind, nicht spielen können und deshalb auf Computer angewiesen sind. Ich kann also seinen Standpunkt gut nachvollziehen. Gleichzeitig bin ich ein Fan moderner Technologie. Ich mag neue Dinge und mir gefällt es neue Dinge auszuprobieren. Jedoch kommt das eigentliche Handwerk immer noch an erster Stelle. Zuerst solltest du dein Handwerk beherrschen bevor du zu einer Stütze greifst. Etwas als Hilfsmittel zu verwenden oder etwas vollkommen zu ersetzen sind zwei komplett verschiedene Dinge. Ich habe das Glück in einer Band zu sein, in der alle großartige Musiker sind, welche tatsächlich singen, Songs schreiben und ihre Instrumente spielen können. Deshalb mache ich mir keine so großen Sorgen darüber. Ich glaube Dave spielte darauf an, dass viele dieser Leute zwar einen Award gewinnen, aber da alles mit dem Computer gemacht wurde, hängt das sicher nicht mir ihren Leistungen auf der Bühne zusammen.

Da wir schon von Live-Qualitäten sprechen: Ihr seid im Februar nach gut zwei Jahren zum ersten Mal wieder durch Europa getourt. Wie war's?

Es war wundervoll. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Die meisten Shows waren ausverkauft. Es war wohl für uns genauso aufregend, wie für unsere Fans. Wir waren viel zu lange weg und wir konnten es kaum erwarten neues Material zu spielen. Wir hatten nichts zu verlieren und ich denke im Moment befinden wir uns als Band in Bestform, auch in Sachen Live-Performance. Wir haben in Europa noch einiges vor.

Wie hat das Publikum auf das neue Material reagiert?

Ich denke die Leute mochten es sehr. Ich glaube sogar, dass sie ziemlich schockiert darüber waren, dass wir neue Songs gespielt haben. (lacht) Wir haben uns dafür drei harte Nummern ausgesucht und die sind wirklich gut angekommen. Klar, „Bully“ kannten schon einige, da der Song schon erhältlich war. Die anderen beiden waren „Adrenaline“ und „Enemies“. „Adrenaline“ kam so schnell und mitten ins Gesicht, dass die Fans wirklich baff waren. Aber ich bin mir sicher, dass sie alle Songs begeistern konnten. Wir können es kaum mehr erwarten wieder nach Europa zu kommen.

Ihr seid in den letzten Jahren schon recht ordentlich um die Welt gekommen. In welchen Ländern wollt ihr unbedingt noch spielen?

Wir wollen definitiv nach Japan, China und Thailand. Wir waren auch noch nicht in Zentralamerika und Südamerika. Auch in Europa fehlen uns noch ein paar Länder, vor allem im Süden, wie Italien, Spanien und Griechenland. Es gibt also noch einen Haufen Länderm wo wir noch nicht waren. Wir möchten natürlich überall spielen. Darum geht es ja bei dieser Sache.

Euer letzter Österreich-Gig liegt bereits einige Jahre zurück. Können wir in naher Zukunft mit einem weiteren Live-Besuch von euch rechnen?

Auf jeden Fall. Diese Frage wurde uns schon öfter gestellt. Wir hatten eine großartige Zeitm als wir bei euch gespielt haben, deshalb wollen wir auf alle Fälle wiederkommen. Es hängt natürlich alles davon abm eine passende Konzertlocation im Zeitraum der Tour zu finden, aber wir kommen definitiv wieder.

Im Namen von Demonic-Nights sage ich danke für das Interview und weiterhin alles Gute.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich weiß das zu schätzen. Österreich, wir sehen uns bald!

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