GHOST BRIGADE live in der Arena

| 26. Oktober 2011 | 2 Comments

Ghost Brigade

Der Herbst ist mit vollen Kanonen ins Land eingekehrt und was wäre besser als musikalische Begleitung geeignet als eine ordentliche Portion Post- und Düster-Metal? Genau aus diesem Grund wurden die finnischen Düstermetaller GHOST BRIGADE in die kleine Halle der Wiener Arena geholt, um ihren neuen Kracher „Until Fear No Longer Defines Us“ vorzustellen. Wem das noch nicht genug war, durfte vorher noch den bleischweren Klängen vom US-Post Metal-Gespann A STORM OF LIGHT und INTRONAUT lauschen.

Die halbgefüllte Halle heißt den Opener INTRONAUT um 20:30 Uhr mit einem warmen Applaus willkommen. Was sofort auffällt, ist, dass die beiden Sänger und Gitarristen Sasha Dunable und Dan Tinnick die rechte und linke Flanke der Bühne eigenommen haben, während sich Bassist Joe Lester in der Mitte der Bühne positioniert hat. Im weiteren Verlauf wird auch deutlich warum: Der Mann am Tieftöner groovt wie Sau und macht zusammen mit dem Wahnsinnsdrumming von Danny Walker die Instrumental-Passagen zu einem echten Erlebnis. Die beiden Sänger trumpfen bei Songs wie „Sunderance“ mit zweistimmigen Gesang, der sich ab und an mit brachialen Growls abwechselt, auf. Neue Songs vom aktuellen Album „Valley Of Smoke“, wie das brachiale „Elegy“ oder das traumhafte „Core Relations“, ertönen genauso mächtig aus den Boxen wie ältere Kaliber („Australopithecus“, „The Literal Black Cloud“). Hier wurde von den Kaliforniern für die Bands, die noch kommen sollen, einiges vorgelegt.

Kaum zu glauben aber wahr, bei den nachfolgenden A STORM OF LIGHT steht die Halle immer noch, obwohl der basslastige Sound an diesem Abend die Wirkung einer Abrissbirne zu haben scheint. Mit stimmigen, teils verstörenden Visuals bieten die Herren mit Dame aus New York Doom-Kost der schwer verdaulichen Sorte. Sänger Josh Graham, der sich schon für die Visuals von Neurosis verantwortlich zeigte, wirkt wie eine schwerfällige Version von Billy Corgan. Gab es bei Intronaut zuvor auch die eine oder andere progressive Spielerei zu genießen, wird hier „gedoomt“ und „gesludget“, bis der Putz von der Decke bröckelt. Leider wirken die flächendeckenden Visuals auf die Dauer in der kleinen Halle etwas überpräsent und lenken dezent vom eigentlichen Geschehen ab. Songtechnisch liegt der Schwerpunkt klar auf dem letzten Output „As The Valley Of Death Becomes Us, Our Silver Memories Fade“ („Missing“, „Silver“ „Wasterland“, „Black Wolves“), dessen Songs imposant vorgetragen, auf die Dauer aber von einer Spur Eintönigkeit heimgesucht werden.

Kurz nach halb elf ertönt schließlich das Intro der Headliner GHOST BRIGADE. Die Finnen fackeln auch gar nicht lange und holzen gleich zu Beginn das mächtige „Clawmaster“ in die Menge. Wie schon ihre Vorgänger legt auch das finnische Quintett ihr Hauptaugenmerk auf aktuelles Songmaterial, aber auch frühere Werke wie „My Heart Is A Tomb“ und „Hold The Line“ werden zum Besten gegeben. Interessanterweise wirkt der Live-Sound der Herren weniger todesmetallisch, dafür kommt der Sludge-Anteil umso klarer zur Geltung. Sänger Manne Ikonen schreit sich im einen Moment die Seele aus dem Leib, um im nächsten Augenblick mit klarem, leidenden Gesang der Melancholie zu frönen.

Der Fünfer vermag es die zu drei Viertel gefüllte Halle mit Songs wie „Divine Act Of Lunacy“ und „Breakwater“ in seinen schaurig-schönen Bann zu ziehen. Besonderes Highlight ist das Instrumentalstück „22:22 – Nihil“, wobei sich die beiden Gitarristen Tommi Kiviniemi und Wille Naukkarinen gegenseitig ein schweres Riff nach dem anderen vor den Latz knallen und sichtlich Spaß dabei haben. Kurz vor Ende geht es mit „Soulcarvers“ und „Into The Black Light“ etwas beschaulicher zu, nur um bei den Zugaben „Architect Of New Beginnings“ und „Lost In A Loop“ die Nackenwirbel noch ein letztes Mal herauszufordern.

Nach nicht ganz 90 Minuten ist dann auch Schicht im Schacht und zurück bleibt einmal mehr eine zufriedene Meute. Alles in allem, kann man von einem gelungenen Konzertabend mit spärlich gesäten Längen sprechen, bei dem nur die Interaktion mit dem Publikum etwas zu kurz kam. Da trägt auch der verregnete Heimweg passend zum Ambiente einer musikalisch-düsteren Nacht bei.

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Category: Live-Reports, Magazin

  • comastar

    Stimmt, mit der Soundwgewalt hatte es die kleine Halle a bissl schwer.

  • Der Sound war wirklich gut, hätte aber in der kleinen Halle eine Spur leiser sein können.

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