Changing Tides – To Exist Is Worth Nothing

(c) Indy von Oort, @indys_fotografie
Im Benelux-Raum sind Changing Tides seit Jahren fixer Bestandteil der etwas brachialeren Core-Szene. Das Quintett aus dem Süden der Niederlande versteht sich im weitesten Sinne auf einen Mix aus Metalcore, Hardcore und Deathcore, der rohe Gewalt und feinsinnige Melodik zu vereinen versucht. Ihre beiden bisherigen Alben und diversen Kleinformate orientierten sich vermehrt an technischer Präzision. Dieses Mal soll jedoch mehr Heavyness und Dynamik auf dem Programm stehen: „To Exist Is Worth Nothing“ rattert auf wütende, kompromisslose Weise durch.
Der Titelsong eröffnet das Mini-Album mit einem ordentlichen Hieb in die Magengrube. So ganz wollen sich Changing Tides nicht von ihrem technischen Anspruch befreien, gehen aber in den Strophen mit erstaunlicher, tödlicher Vehemenz nach vorne. Ein erster Breakdown folgt, dann der hymnische Chorus mit etwas Klargesang, bevor es zurück in einen Deathcore- und Tech-Death-Hybrid geht – roh, drückend, unfassbar stark. „Oxytocin“ bringt die vielleicht beste Gesangsmelodie dieser Platte hervor, schleicht sich vergleichsweise gemächlich an, nur um mit Nachdruck durch die Decke zu gehen. Hinsichtlich Brutalität erreicht der Mittelteil tatsächlich ein neues Level.
Reine Urgewalt ist allerdings nicht die einzige Stärke dieser Platte, wie das zurückgenommene, fast eingängige „If Pain Is Constant“ zeigt. Es braucht keine Clear Vocals für einen Mini-Hit. Dann setzt „Violator“ auf Dauerdruck und knüpft in der Schlussminute an die Fingerspielereien früherer Releases an, zermürbendes falsches Ende inklusive. Von falscher Zurückhaltung hält „You Said It All“ herzlich wenig, explodiert regelrecht aus den Boxen und gibt sich vergleichsweise klassischen Metalcore-Mustern hin – das sorgt durchaus für willkommene Auflockerung. „False Serenity“ macht schließlich das Licht aus und widmet sich apokalyptischen Klängen. Höllische Abfahrten und mörderische Breakdowns docken beinahe bei symphonischem Deathcore an.
Es bleibt aber – zumindest vorerst – nur bei dieser Andeutung. Tatsächlich lehnen sich Changing Tides auf dieser Platte weiter aus dem Fenster, investieren in Härte und Brutalität, vergessen aber keinesfalls auf die feine Klinge. „To Exist Is Worth Nothing“ lebt von seinen überdimensionalen Breakdowns, von seiner gutturalen Wut, aber auch vom geschmackvollen Umgang mit vertrauten Klängen. Weniger Tech, mehr Hardcore, dazu diese kleinen, aber feinen Metalcore-Hooks – die Niederländer setzen auf mehr Dynamik und schrauben das Energielevel in die Höhe. Changing Tides feilen gekonnt an ihrem Sound und machen schon jetzt Bock auf den nächsten Pit.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 25.09.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: www.changingtidesband.com
Facebook: www.facebook.com/changingtidesband


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