Allt – Ataraxia

| 30. Juli 2026 | 0 Comments
Allt

(c) Olle Pettersson

Binnen kürzester Zeit erspielten sich Allt einen hervorragende Ruf als eine der aufregendsten, innovativsten neueren Metalcore-Bands der letzten Jahre. Die Schweden verstehen sich vor allem auf eine progressive Interpretation des Genres, gepaart mit technisch anspruchsvoller Härte und einer Vielzahl an Experimenten. Für ihr zweites komplettes Album wandert der Blick von außen nun nach innen: „Ataraxia“ setzt sich mit gelebten Erfahrungen auseinander, verbindet Erinnerungsfragmente und verschiedene Stationen eines sich ewig wiederholenden Kreislaufs.

Angetrieben von der Suche nach Frieden in einer Welt, die sich scheinbar gegen diesen Zustand verschworen hat, entwickelt sich schnell die erwartete Tour de Force. Der Vorbote „Omertà“ bringt sämtliche vertrauten Qualitäten in drei Minuten zusammen und zerlegt mal eben alles. Wütende Nackenschläge, etwas Nu-Crossover, bedrohliche Finsternis und ein urplötzlicher lichter Moment, der Djent-artige Gitarren neben eine kleine, feine Melodie stellt, machen Laune. Und dann ist da noch dieses kurze Piano-Breakdown, das die Schlussminute dominiert – großes Kino. Der kurze, knappe Titelsong schleppt sich durch erdrückende Gefühlszustände, lässt Härte in den Hintergrund rücken und konzentriert sich vor allem auf Robin Malmgrens starke Singstimme.

Überhaupt setzen Allt – gerade in der zweiten Albumhälfte – vermehrt auf etwas eingängigere Momente. „Snowblind“ verzichtet keinesfalls auf die etatmäßige Wucht, bietet aber vor allem Melodien und Finsternis, so beklemmend und intensiv wie möglich. Das abschließende „Avalon“ ist wie ein kleines Zugeständnis an ein eventuelles Modern-Rock-Publikum … bis der Schlussakt mit derber Urgewalt alles zerlegt. Im Vergleich dazu wirkt ein „Enemy“ fast schon konventionell, brachialer Djent-Wutausbruch mittendrin inklusive. Und auch der Opener „New Day“ bringt den nunmehr bestens bekannten Wahnsinn auf den Punkt, pendelt zwischen schüchterner Eingängigkeit und rabiater Urgewalt.

Die Perspektive mag eine andere sein, doch die musikalische Revolution bleibt aus: Im Großen und Ganzen bewegen sich Allt weiterhin in etwa dort, wo man sie vermutet, bloß stellt man sich einfach ein wenig breiter auf. Die melodischen Parts fallen ruhiger und hymnischer aus, die Härte gestaltet sich dafür um einiges rasender und wilder. Brachiale Djent-Eruptionen und proggige Extreme brechen die gängige Metalcore-Erfahrung ein weiteres Mal auf und docken unter anderem bei Erra an, ohne dabei die sorgsam erarbeitete eigene Identität zu vernachlässigen. „Ataraxia“ ist der erhoffte, etatmäßige Schritt für die jungen schwedischen Meister, die sich einmal mehr von ihrer besten, intensivsten Seite zeigen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.07.2026
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)

Facebook: www.facebook.com/alltofficial

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Category: Magazin, Reviews

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