Syberia – Quan tot s’apagui

(c) Román Jiménez
Ein rein instrumentales Album in der eigenen Landessprache zu konzipieren – das klingt erst einmal ein wenig befremdlich. Exakt das haben Syberia getan, auf sehr unorthodoxe Weise. Denn gut dreieinhalb Jahre nach dem damals noch bei Metal Blade erschienenen „Statement On Death“ gestaltete das Quartett alle Titel in katalanischer Sprache – fünf Songs, in zwei fortlaufenden Sätzen. Wenig überraschend ist „Quan tot s’apagui“ konzeptuell eng verschränkt und bietet die eine oder andere kleinere Neuerung.
Während der Vorgänger hochgradig politisch unterwegs war, geht es dieses Mal um eine düstere Reise durch das Ende der Welt. Das gerne harsche, aufbrausende „En la foscor una llum que brilla,“ macht den Anfang, spielt mit monolithischen Post-Metal- und Sludge-Wänden und hält Kurs auf allerlei Extreme. Nicht zum letzten Mal experimentieren Syberia mit Post Black Metal, hier noch etwas zurückhaltender. Das nervöse, schroffe „llampecs d’oblit d’uns records en vida,“ befindet sich erst im Begriff, in höllische Untiefen hinabzusteigen, lockert urplötzlich leicht melodisch auf, nur um ruppiges Chaos direkt in beklemmende Vocal-Samples zu führen.
Im Vergleich dazu weckt „naixença d’una mort tranquil·la.“ so etwas wie Hoffnung, speziell im Mittelteil. Nahezu hymnische Einschübe überraschen im besten Sinn, die Tribal-artigen Drums im Schlussakt stören die Fanfaren nur bedingt. „Dins la meva ànima la sang em bull…“ muss sich erst aus dem Klammergriff der Nebelschwaden befreien und hat damit seine liebe Not. Doomige Schwere sowie das eine oder andere packende Crescendo machen Laune. Post-Black-Metal-Anteile nach der Acht-Minuten-Marke führen himmlische Melodik mit geifernden Knalleffekten zusammen. Schließlich rundet „quan me’n vagi no em tanqueu els ulls.“ mit dem Ritt am Pulverfass ab, stets am Rande der Eskalation und finsterer als die Songs zuvor. Hier fehlen nur wenige Screams auf die desolate Magie von Downfall Of Gaia.
Schwer zu verdauen und zugleich schwer in Ordnung, so präsentiert sich der neueste Streich der Spanier. Insgesamt schrauben Syberia den Metal-Faktor weiter nach oben, wirken wesentlich kantiger und härter. Die Finsternis passt natürlich zum Konzept, die schwarzmetallisch angehauchten Eruptionen und die Doom-Wände sind willkommene Begleiter. Und doch sind es seltene lichte, oft im unmittelbaren Kontrast zu wertiger Hässlichkeit stehende Post-Rock-Momente, die „Quan tot s’apagui“ so richtig spannend machen. Denn der stete Schatten braucht zumindest einen Hauch von Licht, um imposant und bedrohlich zu wirken. Einmal mehr überfordern die Spanier mit wachsender, atemberaubender Begeisterung.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Moment of Collapse Records (Broken Silence)
Facebook: www.facebook.com/syberiaband


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