Zu – Ferrum Sidereum

| 7. Januar 2026 | 0 Comments
Zu

(c) Marco Franzoni

Zwischen 2017 und 2019 veröffentlichen Zu drei von persönlichen Reisen um die Welt inspirierten Alben, die mit dem vertrauten Sound des italienischen Trios brachen und sich unter anderem akustischen Klängen, den Gesängen des Amazonas und orchestralem Prog Rock widmeten. Danach wollte die Band zurück zu den Wurzeln und arbeitete zwei Jahre lang im Proberaum an einer frischen Sichtweise auf ihren Jazz Metal, die ein weiteres Jahr lang verfeinert und gemeinsam mit Marc Urselli aufgenommen wurde. „Ferrum Sidereum“ krempelt nun 80 Minuten lang alles um, und irgendwie auch nicht.

Ein Track wie „Golgotha“ zeigt das Besondere bis Unnahbare dieser rein instrumentalen XXL-Platte auf. Stimmungen äußern sich in vertrackten, sperrigen Dissonanzen, die betont freimütig mit dem Jazz-Label umgehen und dieses mit wachsender Begeisterung auf den Kopf stellen. Eine unfassbar furiose Rhythmusabteilung und das nunmehr ikonische Saxofon finden wieder und wieder in kaskadenartigen Noise-Entladungen zusammen, ringsum werden die Erkenntnisse elektronischer Ausritte in beklemmende Stimmungsbilder mitgenommen. Die kennt auch „The Celestial Bull And The White Lady“ nur zu gut und bringt Math Rock mit cineastischen Einschüben sich selbst auffressender Atmosphäre zusammen.

Die Eigentümlichkeit dieses Albums entlädt sich wieder und wieder, mit bestenfalls bedingten Verschnaufpausen. „La Donna Vestita Di Sole“ investiert diese überwiegend in den monumentalen Aufbau, der Soundtrack-Dimensionen urplötzlich mit metallisierten Jazz-Eruptionen vermengt, analogen Drum’n’Bass anreißt und mitten im Chaos das Arrangement langsam anschwellen lässt. Dass die finale Katharsis in Form von bleierner Schwere erfolgt, passt ins Bild. Die finstere Bedrohlichkeit des abschließenden „Ferrum Sidereum“ will ebenfalls nicht unter den Tisch fallen. Für den Titelsong nehmen sich Zu viel vor und lassen das Saxofon im Schlussakt mit Free-Jazz-Kakophonie auftrumpfen. Selbst Schlagzeug und Bass spielen gefühlt durchgehend gegeneinander an und hieven die Grenzerfahrung auf ein neues Niveau.

Mit dieser lautstarken, energischen Kurskorrektur nähern sich Zu wieder ihren früheren Alben an und nehmen zugleich Aspekte ihrer ambitionieren Trilogie mit, gerade was das Spiel mit Stimmungen und Arrangierung betrifft. „Ferrum Sidereum“ stolpert vom Himmel, verglüht beinahe und fällt über sämtliche Sinne gleichzeitig her. Diese Platte in Worte zu fassen, ist eigentlich müßig, so eigentümlich, eigenartig und eigenständig fällt sie aus. Jazz-Komplexitäten, komplett aufgebrochenes Songwriting, Noise-Wahnsinn und faszinierende Atmosphäre gehen Hand in Hand und machen den neuesten Streich der Italiener zum lebenden, atmenden Organismus. Das ist nicht immer schön und nachvollziehbar, doch stets packend und mitreißend – eine Rückkehr nach Maß zu alter Form.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 09.01.2026
Erhältlich über: House of Mythology

Website: www.zuism.net
Facebook: www.facebook.com/vajrazu

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Category: Magazin, Reviews

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