Brutus – Live In Brussels

(c) Ela Vlonk
Die (bislang) beste und wohl stärkste Karrierephase liegt hinter Brutus. Nach dem Release des herausragenden „Unison Life“ spielten sie fast 200 Shows in 20 Ländern, waren Dauergast auf zahlreichen internationalen Festivals und supporteten unter anderem Architects auf deren Arena-Tour. Live-Dokumente des Trios sind kein Novum, doch ist das hier ein anderes Kaliber: „Live In Brussels“ dokumentiert die dritte von drei ausverkauften Live-Shows in der belgischen Hauptstadt im November 2024.
Das Doppelalbum mit über 90 Minuten Spielzeit beeindruckt auf allen Ebenen. „War“, einer der besten Songs der Belgier, könnte kaum besser klingen. Stefanie Mannaerts singt unfassbar gut und peitscht den Track an, sobald das Arrangement einsetzt, während Gitarrist Stijn Vanhoegaerden und Bassist Peter Mulders die klaren Passagen, die Sludge-Einschübe und die explosiven Sprints entsprechend untermalen. Derlei Qualitäten machen diese Performance zum „Paradise“, ebenfalls gemächlich anrollend und mit feinsten Pop-Einschüben garniert. Das Publikum garniert die Darbietung mit Applaus, das Staunen ist hör- und greifbar.
Und das sind nur zwei von 16 Kapiteln. „Justice De Julia II“ vom Einstand „Burst“ ist ein Post-Rock-Showcase mit stets gefährlicher Schlagseite, der „Nest“-Opener „Fire“ taucht hier mittendrin auf und verschiebt die komplette Dynamik des Songs. Selten klang Mannaerts so unmittelbar wie hier, wechselt fast unbemerkt zwischen galliger Eindringlichkeit und großartigem Gesang, während es dahinter rumpelt, scheppert und doch stets sauber bleibt. Der unmittelbare Sound zählt zu den Stärken dieser Performance, die mit einem unerwarteten wie mitreißenden Duo abschließt: der Sturm-und-Drang-Song „All Along“, der wiederholt ausrastet, und das auf 13 Minuten ausgedehnte „Sugar Dragon“ inklusive ellenlangen Feedback-Schleifen, die mehr und mehr mit den Jubelschreien des Publikums verschmelzen.
Clean, aber nicht klinisch, dieses außergewöhnliche Kunststück vollbringen Brutus mit ihrem neuesten Live-Album. Und das bringt alle Stärken der Belgier auf den intensiven, mitreißenden Punkt. „Live In Brussels“ ist das, was man gemeinhin einen Triumphzug nennt, von der ersten bis zur letzten Sekunde unfassbar groß, druckvoll und unmittelbar. Gerade der Gesang hat Studio-Qualität, ebenso die klaren Passagen, die gerne mit Dreck und Distortion torpediert werden. Zwischen Schaulaufen und fliegenden Schweißtropfen räumen Brutus einmal mehr ab und untermauern ihren Status als eine der besten Post-Something-Bands der letzten Jahre.
Ohne Wertung
Erhältlich ab: 28.11.2025
Erhältlich über: Hassle Records (Cargo Records)
Website: www.wearebrutus.be
Facebook: www.facebook.com/wearebrutus


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