Sugar Horse – Not A Sound In Heaven

| 7. April 2026 | 0 Comments
Sugar Horse

(c) Katie Richards

Falsche Zurückhaltung kannten Sugar Horse noch nie und widmeten sich auf ihren bisherigen Platten experimenteller Musik nebst sperrigen Themen. Die ungewollte Aktualität ihres dritten Albums trifft aber vermutlich sogar das Quartett aus dem englischen Bristol unerwartet. „Not A Sound In Heaven“ setzt mit geopolitischen, industriellen Kriegsmaschinerie auseinander, die Gut und Böse ‚kennt‘, die für das vermeintliche Wohl anderer tötet und die dahinterliegenden Mechanismen zu vertuschen versucht. Ganz schön starker Tobak, der speziell momentan mitten ins Herz trifft.

Den bitterbösen Zynismus trägt ein „Ex-Human Shield“ bereits im Titel, von industriell angehauchten Tönen begleitet. Der schroffe, maschinelle Marsch, die gequälten Screams und die wütenden Gitarren kollidieren wieder und wieder mit harmoniebedürftigen, verträumten Synth-Pop-Momenten. Zwischen eskalierendem Sperrfeuer und erhoffter Erlösung liegt oft nur ein Wimpernschlag. Dass im direkten Anschluss „History’s Biggest T-Shirts“ mit feinsinniger Melodik, Post-Punk-Anleihen, 80s-Wave und Erinnerungen an frühe Killing Joke loslegt, passt ins Bild. Wütende Schreie zerreißen die Luft wieder und wieder, zwei höchst gegenteilige Songs stehen sich gegenüber und führen in minutenlange instrumentale Meditation, bevor der rohe Terror die Oberhand behält.

Einfach ist an dieser Platte rein gar nichts, siehe und höre „Company Town“. Noise Rock kollidiert mit den nächsten Post-Punk-Hooks, die beiden Welten werden weiter verschränkt und ergeben einen hymnischen, desolaten und dystopischen Ritt auf der letzten Bombe vor dem kapitalen Untergang. Auch „Fire Graphics“ hat ein Herz für finstere Beinahe-Romantik und Melodrama, umgeben von einstürzenden Alt- und Neubauten. Das ausufernde Chaos ist der perfekte Schlusspunkt. Die zähen, angestochenen Post-Metal-Schleifen von „You Can’t Say Dallas Doesn’t Love You“ am anderen Ende des Albums verbreiten Angst und Schrecken auf unwiderstehlich fiese Weise.

Sollte der Vorgänger noch bewusst direkter und eingängiger klingen, zeigt sich nun ein anderes Extrem: Sugar Horse ignorieren Konventionen und arbeiten die Schrecken der Maschinerie hinter dem tatsächlichen Krieg auf brutalistische Weise auf. Rückgriffe auf die 80er Jahre passen prima dazu, ebenso die insgesamt deutlich noisigere und experimentellere Präsentation mit Industrial-Einschlag. „Not A Sound In Heaven“ lässt besonders in den lichten, vorsichtig freundlichen Momenten kalte Schauer über den Rücken laufen – eine gespenstische, unbequeme, schroffe und wichtige Platte, die unter Haut und Nägeln brennt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.04.2026
Erhältlich über: Fat Dracula Records (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/sugarhorseruinedmybirthday

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Category: Magazin, Reviews

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