Abrams – Loon

(c) LK Konkoli
Die wahrlich beschissene Gegenwart macht auch vor Abrams nicht Halt. Von den durchaus nostalgischen Klängen der letzten Platten ist beim Quartett aus Denver aktuell herzlich wenig zu hören. Von komplettem Chaos und Hoffnungslosigkeit umgeben, entstanden sowohl die eingängigsten als auch die härtesten Songs der US-Band, gibt Gitarrist und Sänger Zach Amster zu Protokoll. Zudem ist nicht zu überhören, dass hier Converge-Gitarrist Kurt Ballou die Produktion übernahm. „Loon“ ist ohne Frage im besten Sinne unvorhersehbar geworden.
„Last Nail“ ist eines dieser kleinen Highlights voller Widersprüche, die letztlich doch absolut Sinn ergeben. Im eröffnenden Riff lassen High On Fire grüßen, die poppige Öffnung hat hingegen Torche-Charme und passt zugleich zum gelegentlich auftretenden Alternative Rock der letzten Platten. Ordentlich Dreck und Heavyness prasseln auf eine mächtige Hook ein, die ebenfalls sehr bekömmlichen Vocals dürfen natürlich nicht fehlen. Hymnischer Stoner-Sludge mit Post-Hardcore ist das Ergebnis. Davon will „A State Of Mind“ möglichst wenig wissen und kleidet den Song in zähe Heavyness und mächtig Distortion. Nahezu doomige Wucht lässt wieder und wieder gegen eine überdimensionale Wand rennen, dennoch geht das Ding nicht mehr aus dem Ohr.
So hektisch und chaotisch wie in „Remains“ hört man Abrams nur selten. Im Vorfeld getroffene Vergleiche mit Mutoid Man erschließen sich in diesen dreieinhalb Minuten, schlägt dieser Track doch wunderbar widerspenstig, hektisch und unbequem aus, dringt in (Post-)Hardcore-Gefilde vor, nimmt metallische Kanten hinzu und zerlegt sich wiederholt selbst. Auch das eröffnende „White Walls“ liebt das Chaos, häutet sich nach dem eröffnenden Drumroll wiederholt und schwingt die Fäuste mit sympathischer Präzision. Dass am anderen Ende des Albums ein gemächlicher, hymnischer Wüstenrocker wartet, überrascht da nur noch wenig: „Sirens“ bringt sehnsüchtige Gitarren und etwas Psychedelia mit.
Wohin die Reise geht, zeigt sich in der Regel erst, nachdem die Zelte abgebrochen wurden. Und das geht tatsächlich auf, weil Abrams mit dieser gleichermaßen erdrückenden, chaotischen und mitreißenden Platte offene Türen einrennen. Über die chaotische, zermürbende, erschöpfende Gegenwart gibt es aktuell verdammt viel Musik, leider aus gutem Grund. „Loon“ ragt dennoch aus der breiten Masse heraus, weil der Umgang mit Widersprüchen so natürlich rüberkommt, weil Amsters Ankündigung tatsächlich großartig umgesetzt wurde. Hier treffen mächtige Hooks auf bratende Härte, von purem Wahnsinn begleitet. Etwas schwer verdaulich und doch zuckersüß: Abrams überzeugen mit ihrem bislang besten Album.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Blues Funeral Recordings (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/abramsrock


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