Oreyeon – The Grotesque Within

(c) Oreyeon / Heavy Psych Sounds Records
Seit mittlerweile einem Jahrzehnt liefern Oreyeon in schöner Regelmäßigkeit bleierne Schwere mit einem verspielten Twist ab. 2014 in Norditalien gegründet, folgte zwei Jahre später ein erstes, rifflastiges Album mit deutlichem Stoner-Doom-Einschlag. Im Laufe der Zeit wurden die Einflüsse spaciger und psychedelischer, ob im Alleingang oder gemeinsam mit Lord Elephant. Diese Entwicklung zwischen klassischer Heavyness und futuristisch anmutenden Texturen setzt sich auch auf dem neuesten Streich „The Grotesque Within“ fort.
Stellvertretend für diese weiterhin spannende, mitreißende Entwicklung steht der Zweiteiler „Nothing But Impurities“. Nach einem kurzen Intro langt der Track wuchtig zu und erinnert erst einmal an eine etwas forschere Transistor-Party, bevor typische Stoner-Elemente, fast doomige Intensität und Richard Silvaggios packender Gesang einsetzen. Je länger der erste Abschnitt dauert, desto verspielter wird er, nur um im zweiten Teil vermehrt in Stoner-Psych abzudriften. Komplexe Arrangierung und kleine, nahezu metallische Muskelspiele wechseln sich ab. Wer es noch einen Tacken härter mag, gibt sich „I’m Your Mistake“ – donnernd, schwerfällig, urgewaltig.
Doch auch die spacigen, angenehm wirren Traumreisen spielen eine zentrale Rolle, siehe und höre der Titelsong „The Grotesque Within“. Wieder und wieder schlagen melodische Gitarren mit Baroness-Note aus. Aus dem zeitweise erstaunlich erdigen Track wird eine packende Reise durch Raum und Zeit. „Echoes Of Old Nightmares“ kondensiert diesen Ansatz gekonnt, wirkt erst so massiv wie menschenmöglich, dann verspielt. In „Something Over There“ hält Schwerfälligkeit Einzug, wobei die zweite Hälfte mit unzähligen Effekten komplett neue Sphären ansteuert. Die etatmäßige Formvollendung bietet „Dead Puppet Eyes“, unfassbar doomig und heavy, zugleich von einer verstörenden Leichtigkeit umgeben. Der Spagat gelingt auf allen Ebenen.
Zwischen den Stühlen fühlen sich Oreyeon wohler denn je und betonen sämtliche Extreme mit wachsender Begeisterung. Massive Songgebilde und drückende bis metallische Härte erfassen wieder und wieder in gewaltigen Wellen, während die luftigen Vocals, psychedelischen Einschübe und spacigen Gedankenreisen all das ad absurdum führen. Und wieder retour. Und mächtige Riffs zum Drüber- und Drunterstreuen. Ist das mit dem Titel „The Grotesque Within“ gemeint, das groteske Spannungsverhältnis innerhalb dieser Songs? Die Italiener trauen sich mit dieser Platte richtig viel und räumen vollends ab – noch etwas kauziger und zugänglicher denn je. Das muss man auch erst einmal schaffen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Heavy Psych Sounds Records (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/Oreyeonofficialband


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