Preyrs – The Wounded Healer

(c) David Cleland
Von der Straßenmusikerin zur mächtigen Rockstimme: Amy Montgomery sang bereits mit 15 auf den Straßen Belfasts, wo sie Multi-Instrumentalist Michael Mormecha (Mojo Fury) kennenlernte. Zwei Songwriter gründeten eine Band, inzwischen zum Quartett angewachsen, tourten erst durch lokale Clubs und begleiten aktuell die legendären New Model Army durch Europa. Das tun sie unter ihrem neuen Namen Preyrs, inzwischen bei Pelagic gelandet. „The Wounded Healer“ verspricht aufwühlende Intensität, inspiriert durch Carl Jungs Theorien über die Bewältigung von Traumata auf dem Weg zur Entwicklung von Empathie.
Montgomerys kraftvolle Stimme, die unter anderem an Chelsea Wolfe, Julie Christmas und Siouxsie Sioux erinnert, dominiert das Geschehen erwartungsgemäß, wirkt kraftvoll und mystisch zugleich. Ihre Wandlungsfähigkeit stellt sie beispielsweise in „Zeroes, Ones & Lies“ unter Beweis, das von einer regelrechten Gitarrenwand lebt, das Tempo abwechselnd in die Höhe treibt und verschleppt, von furiosem Drive bis bitterer Süße so ziemlich alles im weiten Rock- und Metalfeld mitbringt. In „W.D.I.F.L?“ zeigt die Band eine andere Seite, spielt mit Reduktion und lässt die Rhythmusabteilung in den Mittelpunkt rücken, während die Gefühlsausbrüche mit etatmäßig düsterer Schlagseite geradezu überrollen.
Wucht entpuppt sich als zentrales Merkmal, und der herrlich verkopfte, verspielte Titelsong lebt das vor. Zwischen zartem Understatement, Garage-Rock-Grüßen und Solos der klassischen Schule samt metallischem Einschlag schwingt alles mit. Im Vergleich dazu wirkt „Waves Of Wisdom“ fast brav und lebt von seiner ominösen Grundstimmung. Stets wartet man darauf, dass etwas passiert. Was genau, das bleibt selbstverständlich offen, doch wird man dieses unangenehme Gefühl nicht los. In „Crucify“ stellen sich Preyrs breitbeinig auf, hauen die vielleicht härtesten Riffs der gesamten Platte raus und garnieren das mit waschechtem Pop-Flair.
Preyrs beherrschen das seltene Kunststück, ungemein vertraut und zugleich komplett frisch zu klingen, geradezu unerhört anders. Ihr Sound schnappt sich Hard-Rock-Intensität aus den 70er und die Finsternis der 80er, tankt sich durch Grunge-Ansätze der 90er und mischt ordentlich Heavyness sowie angenehm progressive Noten in rauen Mengen dazu. Und dann ist da natürlich diese grandiose Stimme, an der es kein Vorbeikommen gibt. „The Wounded Healer“ ist eine von vorne bis hinten hochgradig unterhaltsame, mitreißende Platte, geht sofort ins Ohr, macht nervös und hinterfragt alles. Hier braut sich etwas zusammen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 14.11.2025
Erhältlich über: Pelagic Records
Facebook: www.facebook.com/amymontgomeryofficial


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