Howling Giant – Crucible & Ruin

(c) Jeff Bean
Eine neue Gottheit bietet Urkräften des Chaos die Stirn und bereitet sich auf einen epischen Kampf vor: Dieses packende Leitmotiv begleitet weite Teil des dritten Albums von Howling Giant und zieht sich ebenso durch das Artwork, das die Mutter von Gitarrist und Sänger Tom Polzine malte. Die US-Band ist erstmals als Quartett unterwegs, und das ist nicht zu überhören. Obwohl Adrian Lee Zambrano (Gitarre, Synthesizer) erst gegen Ende der Songwriting-Phase hinzustieß, ist sein Einfluss spürbar. „Crucible & Ruin“ klingt insgesamt runder, intensiver, vielschichtiger und tatsächlich noch einen Tacken melodischer.
Der grundlegende Stoner-Psych-Sound bleibt erhalten, gestaltet sich jedoch etwas klarer und proggiger. Das macht bereits der berauschende Opener „Canyons“ deutlich, mit erstaunlich feiner Klinge. Von Urgewalt ist hier wenig zu spüren, stattdessen nehmen die melodischen Texturen zu und tauchen die Stoner-Riffs immer wieder in gemächliche, verspielte Ausflüge durch mehr oder minder interstellare Gefilde. Davon kann auch „Scepter And Scythe“ ein Lied singen, tut letztlich genau das. Schrubbende, virtuose Gitarren und wiederholt auftretende hymnische Momente rücken die filigrane Seite der Band in den Mittelpunkt.
An anderer Stelle illustriert ein Zweiteiler die musikalische Evolution von Howling Giant gar blendend. „Beholder I: Downfall“ ringt in aller Kürze immer wieder um Fassung. Wiederholt scheinen härtere Passagen aus dem Dickicht brechen zu wollen, doch reißt der Song immer wieder auf, wenn er gerade in Schwung kommt. Hingegen geht es „Beholder II: Labyrinth“ etwas ruhiger und verspielter an. Stoner-Riffs, metallische Härte und letzte Doom-Reste kollidieren mit neuen Ideen. Auch „Archon“ verbindet beide Welten, erinnert in eingängigen Moment sogar an Biffy Clyro, bevor die nächste donnernde Drumsalve alles auf den Kopf stellt und in einen cleveren, ruhigen Part führt.
Sukzessive entschlacken und verdichten Howling Giant ihren Sound zugleich – eine mutige, fatalistische und zugleich so begeisternde Mission, die ihnen auf ganzer Linie gelingt. Deutlich mehr Melodie, progressive Energie und hymnische Magie tragen „Crucible & Ruin“ in annähernd göttliche Gefilde, während knackige Riffs, psychedelisch-spacige Ausritte und metallische Reste weiterhin fleißig mitmischen. Das erinnert zeitweise an die Entwicklung von Mastodon, bloß einen Tacken ruhiger und klarer – sehr spannend, angenehm herausfordernd und doch nahbar, unmittelbar, auf schwer zu beschreibende Weise. Hier befindet sich eine Band auf dem Sprung in den Olymp.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 31.10.2025
Erhältlich über: Magnetic Eye Records
Website: www.howlinggiant.com
Facebook: www.facebook.com/howlinggiant


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