Ritual – Songs For The Haunted

| 10. September 2025 | 0 Comments
Ritual

(c) Moritz Hagedorn

Erloschener Ofen erfolgreich erneut befeuert: In ihren sieben aktiven Jahren, zwischen 2005 und 2012, spielten Ritual über 300 Konzerte, veröffentlichten drei Alben und drei 7″-Singles, und waren unter anderem Teil des Reunion-Konzertes ihrer Inspiratoren Unbroken. Irgendwann war man menschlich und kreativ zu weit weg voneinander, fühlte sich von der Szene entfremdet und nahm den Hut. Bands wie Orbit The Earth, Wire Love, All The Ghosts und die deutschen Post-Punk-Urgesteine Messer entstanden in der Folgezeit. Drei Reunion-Gigs im Oktober 2022 entfachten das Feuer erneut, aus einer ursprünglich geplanten Single wurde ein komplettes Album: „Songs For The Haunted“ denkt den eigenen Hardcore-Sound auf spannende Weise weiter.

Ein Track wie „Silver Lining“ wäre früher kaum vorstellbar gewesen, tauchen hier doch tatsächlich punkige Hooks und fast poppige Melodien auf, prima in den rohen, wütenden Sound eingepflegt. Das klingt eher nach The Gaslight Anthem als nach Carpathian, die zittrigen Post-Punk-Gitarren rundherum passen ins Bild. Ritual haben einen kleinen Hit geschrieben, ohne Wenn und Aber. An anderer Stelle überschlagen sich die „Violent Minds“ im bedrohlichen Midtempo. Schrubbende Gitarren, drückender Bass und unheimliches Schimmern im Midtempo-Bereich metallisieren den Hardcore auf zermürbende Weise, recken den Mittelfinger in die Höhe und überraschen mit unerwarteter Beklemmung.

Im Vergleich dazu klingt der Opener „Head To Your Fist“ fast linear und vorhersehbar, ein dreckiger Hardcore-Bastard von dröhnender Schwere. „Sleeping Ghosts“ operiert am Post-Hardcore-Anschlag, lässt zwischendurch den feinsten Hauch einer Melodie aufziehen und spielt silbenreich mit zermürbender Laut-Leise-Dynamik. Die transporiert „Into The Light“ in einen trippigen, finsteren Exkurs mit Goth- und Post-Punk-Einschlag, der ebenso aus dem Rahmen fällt wie das gedämpfte „In The Rain“ seine Wut in harmonischer Dissonanz auszukotzen weiß. Das große „Final Hour“ bemüht sogar epische Klänge, wird länger und länger, ist heavy wie Sau, experimentiert mit Post-Black-Metal-Gitarren und giftigstem Noise im Abgang.

Ein in so ziemlich jeder Hinsicht ungewöhnliches Hardcore-Album unterstreicht ein Comeback nach Maß. Ritual machen keinen Hehl daraus, dass sie sich in den letzten Jahren musikalisch und menschlich weiterentwickelt haben. Ihrem Sound bekommt das bestens, denn „Songs For The Haunted“ holt sich einiges an Inspiration von außen, probiert viel und hat damit Erfolg. Melodische Eingängigkeit, bedrückende Finsternis und Midtempo-Wucht gestalten das Geschehen im besten Sinne dreidimensional, lassen dieses Album mit jedem Durchlauf besser und intensiver erklingen. Dieser fast futuristische und doch gerne rohe Hardcore-Ansatz steht dem Trio bestens zu Gesicht und lässt auf ein weiteres Kapitel in der Karriere von Ritual hoffen. Hier bahnt sich richtig Großes an.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Through Love Records (Indigo)

Facebook: www.facebook.com/ritualeurope

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Category: Magazin, Reviews

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