Deftones – private music

| 29. August 2025 | 0 Comments
Deftones

(c) Jimmy Fontaine

Kaum zu glauben, dass Deftones ihr erstes Album vor 30 Jahren veröffentlichten und nach wie vor auf höchstem Niveau abliefern. Die US-Band ließ zwar diesmal so viel Zeit wie nie zwischen zwei Platten verstreichen, musste sich aber zwischenzeitlich sortieren. Nach dem Ausstieg von Sergio Vega wurde Live-Bassist Fred Sabian auch ins Studio eingeladen und schrieb an allen Tracks mit. Zudem holte man Nick Raskulinecz, mit dem man zuletzt 2012 zusammengearbeitet hatte, zurück hinter die Regler, nahm in Nashville und an verschiedenen Orten in Kalifornien auf. Ganz nebenbei klingt die Band so fokussiert und kraftvoll wie lange nicht. „private music“, ihr zehntes Studiowerk, rückt den Fokus im besten Sinne auf das Wesentliche.

Und das darf gerne mal richtig schön heavy und doch verträumt ausfallen, wie im Falle des vorab ausgekoppelten Openers „my mind is a mountain“, der sämtliche Deftones-Trademarks in unter drei Minuten durchdrückt. Drückende Härte, ein abwechselnd flehender und giftiger Chino Moreno, dazu diese luftigen Drums und pointierten Gitarren, die weiterhin beherzt zulangen. Ein weiterer Hit ist „infinite source“, der erste für diese Platte entstandene Track. Vorwitzige, fast proggige Gitarre, erstaunlich helle Melodien und der Ansatz von Freudlichkeit bringt Shoegaze in rauen Mengen in den vertrauen Wahnsinn ein.

Natürlich geht es auch ganz anders: „cut hands“ nähert sich wieder dem Frühwerk, bandelt mit Nu Metal und Sprechgesang an – zumindest im Sinne der Deftones-eigenen Variante, die immer schon etwas anders war. Stakkato-Attacken wechseln sich mit harmonischen Ausreißern ab, während sich Moreno windet und mit zermürbenden Screams alles zerlegt. Die stoische Quasi-Fortsetzung „~metal dream“ deutet die Härte schnell in eine kantige, melancholische Wand um. Größer tut das nur „souvenir“, ein erst drückender bis hypnotisierender Dampfhammer, dessen Shoegaze-Einflüsse jedoch mehr und mehr die Oberhand gewinnen und in einen elegischen Schlussabschnitt führen.

Die Schlange am Cover, ein drückender und wechselhafter Track wie „ecdysis“, der übersetzt so viel wie ’sich häuten‘ bedeutet – und Deftones tun letztlich genau das. Eine Revolution ist „private music“ nicht geworden, die hat es aber auch nicht gebraucht. Stattdessen wirft die Band jeglichen Ballast über Bord, verzichtet auf grobe Experimente und eine lange Gästeliste. Ihr zehntes Album repräsentiert ihre musikalische Essenz, hat kleine Hits zu bieten, traumwandlerische Gaze-Ausritte, brachiale Härte, aber auch faszinierende, komplett für sich einnehmende Zwischentöne. Eben alles, wofür Deftones seit 30 Jahren stehen – ein weiteres Riesenwerk.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 22.08.2025
Erhältlich über: Relapse Records (Warner Music)

Website: www.deftones.com
Facebook: www.facebook.com/deftones

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES