Adur – We Fail To Love Ourselves

(c) Adur
Adur ließen sich für ihrem Bandnamen vom gleichnamigen Fluss im Süden Englands inspirieren, der unweit von ihrer Heimatstadt Brighton ins Meer fließt. Er verläuft durch eine karge und zugleich atemberaubende Szenerie – Attribute, die ebenso auf den Sound des Quintetts zutreffen, hinter denen aktuelle und ehemalige Mitglieder so illustrer Acts wie Grave Lines, Aerosol Jesus, Johnny Truant und Sea Bastard stecken. Auf ihrem ersten Album „We Fail To Love Ourselves“ verständigt man sich auf eine Mischung aus Sludge und Doom, Post Metal und Hardcore, von epischer Schwere bis hin zu explosivem Chaos.
Selbsthass, Sucht, Einsamkeit, Verlassenwerden sowie Probleme mit der eigenen Mental Health sowie toxischen sozialen Strukturen durchziehen diese knapp 42 Minuten. Elementare existenzielle Schwere entpuppt sich schnell als zermürbendes Leitmotiv, unter anderem in „Silhouette“. Post-metallische Verzweiflung und angeschlagene Screams machen Platz für verstörende, verschleppte Melodik mit Deftones-Schlagseite – ein echter Aha-Moment, der unter den Nägeln brennt. Rund um die Drei-Minuten-Marke taumeln Adur eine Art imaginären Abhang hinab und können sich nur unter größen Anstrengungen vor dem lethalen Absturz retten. Fast doomige Schwere und chaotischer Hardcore, der schon mal an entschleunigte Converge erinnert, unterstreichen das gekonnt.
Komplett repräsentativ für die weitere Platte ist dieser Song nur bedingt – wobei es wohl keinen Track gibt, der den versammelten Wahnsinn zu bündeln vermag. In „Nothing Lives In This Soil“ diktiert rauschende Explosivität an der Grenze des Mach- und Ertragbaren das Geschehen, nähert sich in manchen Passagen sogar Mathcore-Chaos, während „The One Percent“ ein drückendes Sludge-Doom-Bollwerk heraufbeschwört und in aller Gemächlichkeit um sich schlägt. Seltene lichte Momente, wenngleich meist nur schemenhaft vorhanden, wecken enttäuschte Hoffnung. Die hat auch der Titelsong für sich gepachtet und spielt gekonnt mit wechselndem Tempo – mal höllisch schnell und erdrückend, dann mit feinsten melodischen Elementen versehen, bevor das noisige Finale sukzessive eskaliert.
Keine Frage, das hier muss man erst einmal verdauen. Adur lieben die komplette Überforderung und operieren am absoluten Limit, sei es in den chaotischen Hardcore-Passagen mit Math-Einschlag, der doomigen Post-Schwere oder den seltenen hymnischen bis melodischen Momenten, die im besten Sinne verzücken. Vor allem aber ringt „We Fail To Love Ourselves“ um Fassung in einer Welt, die für Herz und Nuancen immer weniger Platz lässt. Der Einstand der Engländer fällt mitreißend, energisch, erschütternd und auf schönste Weise abgefuckt aus, gibt sich so roh und ungeschliffen wie möglich, transportiert dabei jedoch unendlich viel Herz. Fünf Szene-Veteranen schaffen gemeinsam Großes.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 29.08.2025
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Bandcamp: aduruk.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/adur_band


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