Daron Malakian And Scars On Broadway – Addicted To The Violence

| 17. Juli 2025 | 0 Comments
Daron Malakian And Scars On Broadway

(c) Travis Shinn

Über Daron Malakian zu schreiben und System Of A Down dabei zu ignorieren, ist so gut wie unmöglich. Ein neues Album der Hauptband ist aus mehreren Gründen so gut wie ausgeschlossen, dennoch tourt man weiterhin ab und an. Der Gitarrist und Sänger selbst hat jedoch wieder einmal sein eigenes Projekt am Start: Daron Malakian And Scars On Broadway, so der erweiterte Name seit dem vor sieben Jahren erschienenen zweiten Album, ist seine Spielwiese, mit wechselnder Besetzung und langen Pausen. Pünktlich zu seinem 50. Geburtstag beschenkt sich Malakian mit „Addicted To The Violence“ selbst und widmet sich nach eigenen Angaben einer zunehmend gefühllosen, desensibilisierten Generation.

Über diese recht pauschale Ansicht lässt sich freilich streiten, nicht aber über die Qualität dieser zehn neuen Songs. Dass ausgerechnet der abschließende Titelsong etwas ruhiger, stellenweise durchaus harmoniebedürftig ausfällt, passt ins schräge, bewusst überzeichnete Bild. Die an Europe erinnernden Keyboard-Fanfaren sind so cheesy wie menschenmöglich, das Drumherum serviert brodelnden Alternative Rock der aufwühlenden Sorte. Den holt sich auch „Imposter“ in seinen Chorus, von Heavyness in den Strophen, dezenten folkloristischen Spielereien und – das lässt sich kaum vermeiden – gewissen SOAD-Parallelen begleitet.

Die vielleicht besten beiden Tracks warten gleich zu Beginn. „Killing Spree“ geht direkt in die Vollen und serviert den vertrauten, kantigen Sound zwischen Rock und Metal, der sich gerne mal selbst überschlägt, angenehm wütend ausfällt und sogar Platz für Blastbeats findet. Danach entwickelt sich das kuriose, vorwitzige „Satan Hussein“ zum bizarren Gutfühlsong des Sommers, wirft mit losen Assoziationen und Drogenreferenzen sowie derbem Stop-and-Go-Riffing um sich – gleichermaßen bizarr und sympathisch. Das obligatorische Mini-Epos heißt „The Shame Game“, brodelnd und ominös, aber auch voller feinsinniger Harmonien. Klar fällt „Aerials“ im selben Atemzug, das fragile wie konkrete Melodiekonstrukt erreicht aber auch tatsächlich entsprechende Sphären.

Malakian serviert letztlich gewohnte Kost, was nun wirklich nicht verkehrt ist. Gesanglich setzt es exakt das, was man sich erwartet und erhofft, rundherum werden zehn abwechslungsreiche Songs geschneidert, gerne mal etwas überdreht, im richtigen Moment melancholisch, aber eben doch wuchtig und intensiv. „Addicted To The Violence“ fällt für seinen Albumtitel erstaunlich geordnet aus, wenngleich alleine die ersten beiden Tracks diese Beobachtung ad absurdum zu führen scheinen. Bevor erste semi-balladeske Klänge auftauchen. Und der nächste metallische Dampfhammer. Dann eine 80s-Stadionhymne. Und Folklore. Und alles dazwischen. Eine weitere unterhaltsame, atemlose Platte gibt Daron Malakian den nötigen Freiraum, an seinen Scars On Broadway zu schrauben. Das dürfte er gerne häufiger versuchen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 18.07.2025
Erhältlich über: Scarred for Life / Virgin

Website: scarsonbroadway.com
Facebook: www.facebook.com/scarsonbroadway

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Category: Magazin, Reviews

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